MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Dario Malkowski

„Wer auf sein Elend tritt …

Dario Malkowski
Bildhauer und Keramiker

Schillerstraße 12
39218 Schönebeck/Elbe
Fon: 03928 / 69849

… wird größer.“ Hölderlins trotzige Kampfansage an das Schicksal hängt seit Langem über dem Arbeitsplatz von Dario Malkowski. Nur 18 Jahre hat er die Welt mit eigenen Augen gesehen. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges nahm ihm eine Granate das Augenlicht. Zerstörte, wie er damals glaubte, sein Leben für immer. Kunst-Maler hatte er werden wollen. Und er hatte Talent, ererbt von seinem italienischen Großvater Dario Paini, auch Künstler. „Ein einzig Schauen“ sollte sein Leben werden. Und dann diese Dunkelheit … Einer der typischen Blindenberufe fesselte ihn nicht. Die Blindenschrift lernte er im Selbststudium. Der Bildhauer Emil Schwantner ermuntert den Verzweifelten durch seine Hilfestellung bei seinen ersten plastischen Versuchen. 1947 besteht Dario Malkowski die Gewerbeprüfung als Holzschnitzer. Seine Arbeiten erregen Aufmerksamkeit. Mit einem staatlichen Stipendium kann er an den Fachschulen für Angewandte Kunst in Magdeburg und Leipzig studieren. Das Staatsexamen als Bildhauer legt er 1953 ab. „Der Pflanzer“, so nennt er seine Examensarbeit, eine Bronzeplastik. Seine Interpretation für Hoffnung und Vertrauen in die eigene Kraft. Hände sind für Dario Malkowski Augen und Werkzeug zugleich. Mit den Händen setzt er seine künstlerischen Vorstellungen um. Und was er nicht aus der Erinnerung abrufen kann, erzählen ihm seine Hände. Durch Berühren, Tasten, Umfassen erschließen sich ihm Körperlichkeit und Charakter dessen, was er formen will. Aus Ton, Holz, Kupfer, Bronze und Kunststein. Seine Plastiken, Skulpturen und Reliefs beschäftigen sich mit weltlichen und religiösen, mit symbolischen und naturalistischen Themen. Dabei findet die tiefe Verbundenheit mit den Menschen und Tieren seiner Heimat immer wieder ihren Niederschlag. Dario Malkowski ist Deutschlands einziger blinder Bildhauer und Keramiker mit einem Staatsexamen. Geschätzt und geehrt. Jüngste Auszeichnung: das Bundesverdienstkreuz. Über fünf Jahrzehnte hat Dario Malkowski Menschen an das Gestalten von Ton herangeführt. Ein Blinder, der Sehende das Sehen lehrt. „Ehrfurcht vor dem Leben sollte das Entscheidende meines Wirkens sein“, so der 83-Jährige. Er hat es gehalten, dieses Versprechen an sich selbst. Und in diesem Sinn hofft er „noch einige Werke“ schaffen zu können. Seit 34 Jahren ist seine Frau Regina, eine Diplom-Chemikerin, treue Begleiterin, Helferin und erste Kritikerin. „Wenn meine Frau neben mir sitzt, ihre Hand auf meine legt, bin ich glücklich“, gesteht Dario Malkowski. „Glücklich in diesem Miteinander.“
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