MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ursula Mann
In Sachsen glücklich geworden
Prüferin
Goldammerstr. 14
09326 Geringswalde
Die Enkel und Urenkel aufwachsen zu sehen ist heute Ursula Manns größte Freude. Ihr selber war eine schwierigere Kindheit beschieden. Als Ursula Wunderlich kam sie 1934 in Eßerningken (Ostpreußen) zur Welt, wo die Eltern als Landarbeiter Stellung gefunden hatten. Sie wuchs so in bescheidenen Verhältnissen mit drei Brüdern auf, doch musste die Familie am Ende des Krieges die ostpreußische Heimat verlassen. Mit dem Zug ging es von dort bis nach Leipzig, wo die Flüchtenden auf umliegende Gebiete und Gemeinden verteilt wurden. Sie kamen ins mittelsächsische Sachsendorf, von wo aus die junge Ursula in Döhlen und Milkau bis zum Abschluss der 8. Klasse 1948 endlich den Schulbesuch fortsetzen konnte. 1948 war auch das Jahr, in dem die Konfirmation den Schritt ins zukünftige Erwachsenenleben bedeutete. Ein Jahr arbeitete sie als Haushalthilfe bei einem Rochlitzer Justizbeamten. Die Spinnerei in Mittweida wurde dann für etliche Jahre ihr Arbeitsplatz, wo sie in drei Schichten tätig war, den weiten Weg zu Fuß und mit dem Bus in Kauf nahm. Die Heirat mit Wolfgang Mann und die Geburt der Kinder setzten neue Herausforderungen. 1954 kam Sohn Kuno zur Welt, 1956 folgte Tochter Roswitha und 1959 Tochter Elke. Als Kindergarten und Schulbesuch der Kinder wieder die Arbeitsaufnahme ermöglichten, wurde bald das
Geringswalder Werk des VEB Stern-Radio für nun lange Jahre zur Aufgabe. Sie begann als Löterin, wurde später als Prüferin eingesetzt. Als mit dem Ende der DDR die ehedem sozialistischen Betriebe abgewickelt wurden, war auch ihr Arbeitsplatz in Frage gestellt. Da traf es sich günstig, dass Ursula Mann mit Vorruhestandsregelung die ruhigeren Zeiten des Lebens angehen konnte, sie so ruhig nicht waren, da Familie, Kinder, die acht Enkel ihre Aufmerksamkeit beanspruchten, einst auch der große Garten zu betreuen war. Lange Jahre gehörten auch die Proben und Auftritte mit dem Stadtsingechor zu ihrem Leben. Ihr handwerkliches Geschickt konnte sie im Klöppelverein einsetzen. Sportliches Talent bewies sie im Turnverein und der Frauensportgruppe, in der sie zuletzt ihre körperlichen Aktivitäten ausleben konnte. Mit reichhaltiger Lektüre erhält sie die geistige Beweglichkeit. Ihr im Jahr 2011 verstorbener Mann Wolfgang erwies sich als Glücksgriff für das familiäre Zusammenleben. Er hatte einst Bäcker gelernt, sich in den Nachkriegsjahren gesellschaftlich engagiert, als Pionierleiter an einer Schule den außerunterrichtlichen Teil organisiert und dann als Mitarbeiter der Kreisleitung Rochlitz der Sozialistischen Einheitspartei (SED) bis zum Renteneintritt gewirkt.