MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Johannes Magirius
„Welch eine himmlische Empfindung ist es, seinem Herzen zu folgen.“ (Johann Wolfgang von Goethe)
Pfarrer i. R.
Südring 27
04668 Grimma OT Böhlen
Fon: 034386 / 41204
Der Sohn eines Pfarrers wurde 1931 als eins von vier Kindern in Wurzen geboren. „Ab dem 4. Lebensjahr habe ich bewusst den Beginn der Nazizeit miterlebt. Mein Vater war absoluter Hitler-Gegner und zudem Pfarrer. Das ließen mich die Lehrer in der Schulzeit spüren. Als 7-jähriger erlebte ich dann seine Verhaftung mit“ erzählt er von dem gravierendem Erlebnis. Die Schulzeit war Lernzeit, unterbrochen von Fliegeralarm und dem kindlichen Frohsinn darüber, denn im Luftschutzkeller konnte Skat gespielt werden. Noch heute gibt es Schülertreffen, auch wenn indessen nur noch acht Klassenkameraden über die alten und neuen Zeiten reden können. Dem Schulabschluss folgte das Studium in Leipzig und eine Vikar-Stelle im Jugendpfarramt Dresden ab 1957. Die Auseinandersetzung zwischen Kirche und Staat (DDR) erlebte er hier hautnah mit in der Stadt, die noch immer zu großen Teilen in Trümmern lag. Dass viele Menschen aus der von ihm geleiteten jungen Gemeinde der DDR den Rücken kehrten, machte ihn trotzdem traurig, gab es doch unendlich viel Aufbauarbeit zu leisten. Im August 1958 nach Leisnig versetzt, fasste er schnell Fuß. Im Kirchenchor mitsingend lernte er seine Frau Waltraud kennen. Ihre Eltern betrieben ein Elektrogeschäft in Leisnig mit drei Angestellten, in dem auch sie mit tätig war. Johannes Magirius war 1959 zum ordentlichen Pfarrer für Tragnitz und Leisnig bestellt worden. 1961 heiratete das Paar und zog im Pfarrhaus Tragnitz ein. Im gleichen Jahr wurde Tochter Bettina geboren, 1964 und 1965 folgten die Söhne Christoph und Michael (Unfall-Tod). „Bis 1996 habe ich dort die Stellung gehalten und die DDR-Zeit mit allen Freuden und Plagen erlebt“ erzählt er rückblickend und lacht heute noch, wenn er davon erzählt mit welchen Möglichkeiten und Mitteln Reparaturen an der Kirche durchgeführt wurden. „So manches Schalholz wurde auf Weinbasis besorgt“ berichtet er vom Tausch Material gegen Obstwein. „Ich hatte immer zu tun: Material und Leute beschaffen und meine Frau musste den Kaffee kochen, denn alles geschah in freiwilliger Feierabendarbeit“ berichtet er und davon wie oft er den Talar gegen Gummistiefel tauschte in dieser Zeit. Mit der Wende verschwanden die überflüssig gewordenen Feierabendbrigaden, aber auch die Eisengießerei mit vielen Arbeitsplätzen, der Gasthof bis (dahin beliebter sozialer Treffpunkt) und vieles anderes mehr. Letztendlich fiel 1996 auch die Pfarrstelle Tragnitz Einsparungen zum Opfer. Waltraud Magirius hat eine Sammlung historischer Dokumente in sechs großen Ordnern zusammengetragen, in denen man heute die Entwicklung der Region anhand von Bildern und Artikeln nachvollziehen kann. Johannes Magirius lebt im Haus seiner Tochter und ist somit gut in der Familie integriert, denn seine Frau ist 2014 verstorben. Er beobachtet aufmerksam Entwicklung und Fortschritt und freut sich, wie gut und selbstverständlich seine Enkel Martin und Stephan und indessen auch die Urenkel damit umgehen und leben. (Tochter Bettina Lehmann, geb. Magirius, verheiratet mit Joachim Lehmann – deren Kinder Martin, verheiratete mit Katja Sonntag, und Urenkel Nic und Livia. Sohn Stephan, verheiratet mit Mandy Enghardt mit Urenkel Benjamin. Sohn Christoph mit Birgit Abaibu, geb. Neumann). Er ist stolz auf seine verstorbene Frau, die als Kantorin große Aufbauarbeit leistete und den Kirchenchor zur Blüte seines Erfolges führte. Noch heute erhalten neun Männer und acht Frauen die Tradition der Kirchenmusik aufrecht, insbesondere auch mit sozialen Projekten und Sänger-Treffen. Seit Eintritt in den Ruhestand 1996 kann man Johannes Magirius bei Kirchenführungen antreffen und selbstverständlich weiterhin in ihm einen guten Zuhörer und Ratgeber finden. „Mit Menschen umgehen ist etwas ganz schwieriges“ erklärt der Pfarrer im Ruhestand und hält es mit Dietrich Bonhoeffer: „Wir müssen aus unseren Sorgen für den Anderen Gebete werden lassen.“ „Es gibt jeden Tag ein Leibgericht bei mir. Kochen war einst mein Hobby, jetzt ist es meine Existenz“ lacht er. Für die Bildung und zur Freude sammelt er Briefmarken (Gedenk- und Schmuckblätter). „Das Wort Ruhe sollte meinen Ruhestand begleiten, doch es ist mehr Unruhe und mehr Leid in der Welt als nötig“ bedauert er die fehlende Vernunft der Menschen.