MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Elfriede Löffler
Mit besten Zeugnissen und Leistungen das Leben gemeistert
Ehemalige Bürgermeisterin der Gemeinden Kambs, Wilkuhl und Karbow im Altkreis Röbel/Müritz
Chausseestraße 13
17207 Kambs
Das Interview mit Elfriede Löffler, dieser hochbetagten, aber sehr vitalen und lebenslustigen Frau, fand wenige Tage vor ihrem 90. Geburtstag statt. Sie legt mir die sorgsam aufbewahrten Zeitdokumente aus ihrem Leben und Wirken als Bürgermeisterin vor. Geboren am 28.09.1919 in Coadjuthen im Kreis Tilsit, schloss die gebürtige Elfriede Gewinnus 1935 die dortige Volksschule mit sehr guten Leistungen ab. Eine höhere Schulbildung blieb ihr wegen des Fehlens von deutschsprachigen Schulen verwehrt. Bis 1940 arbeitete sie in Nidden, einem Ort der Kurischen Nehrung, als Drogistin und in einer Spedition. Im gleichen Jahr heiratete sie Otto Lucht, der wie so viele junge Männer seiner Generation aus dem Krieg nicht mehr zurückkehrte. Elfriede Lucht erlebte das Ende des Krieges bei den Eltern ihres gefallenen Mannes und Vaters ihrer kleinen Tochter in Schneidemühl. Zu Weihnachten 1945 kam sie gemeinsam mit ihrer Mutter und vier Schwestern über Schwerin und Parchim nach Karbow bei Röbel. Bis Anfang der 50er Jahre verdingte sich die Witwe hier als Landarbeiterin bei den Bauern und später auf der Siedlung der Eltern in Kambs. Immer öfter wird sie hier auch als Bürokraft in der Gemeinde gebraucht. Frau Löffler zeigt mir aus dieser Zeit ein Schreiben des Rates des Kreises Waren vom 03.10.1952, in dem ihr für „ehrenamtliche Tätigkeit“ in der Zeit von Oktober 1951 bis 30.09.1952 ein Betrag von 250,00 DM bescheinigt wird. 1956 steht für die Einwohner der Gemeinde Kambs fest, „unsere Elfriede“ ist beste Wahl für das Bürgermeisteramt, hatte sie doch bereits in den Jahren zuvor die Arbeiten ihres oft betrunkenen Amtsvorgängers mit großem Geschick und Können erledigt. Einen Schwerpunkt der Arbeit der Bürgermeister in den 50er Jahren bildeten die Ausarbeitung und Kontrolle der „Bescheide über die Pflichtablieferung landwirtschaftlicher Erzeugnisse“, die keine Freudenbekundungen bei den Bauern auslösten, denn von den Erlösen der „Sollablieferung“ konnten sie kaum ihre Familien ernähren. Nur Bauern, die zur Ablieferung von „freien Spitzen“ in der Lage waren, denen ging es zusehends besser. Mit der Dominanz der Genossenschaften zu Beginn der 60er Jahre wandelte sich der Arbeitsinhalt der Räte der Gemeinden und ihrer Bürgermeister. Jetzt konnte die Bürgermeisterin von Kambs, Wilkuhl und Karbow all ihre Talente und Begeisterungsfähigkeit in die Vorhaben zur Dorferneuerung investieren. In jenen Jahren entstanden für die 650 Einwohner ihrer Gemeinde zwölf neue Wohnblocks und wichtige Sozialeinrichtungen. Gemeinsam mit der Genossenschaft wurden durch umfassende Meliorationsmaßnahmen die Lebensgrundlagen für die Menschen des Amtsbereiches verbessert. Geehrt mit vielen Auszeichnungen, sollte Elfriede Löffler nach mehr als 20-jähriger Bürgermeistertätigkeit in einen hohen Posten im Rat des Bezirkes aufsteigen. 1978 erlitt diese bemerkenswerte Frau einen Herzinfarkt, der zwar ihre Laufbahn abrupt beendete, jedoch nicht die Erinnerung an eine außergewöhnliche Bürgermeisterin.