MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Otto und Helga Lüthgarth
Einmal Lehrer – immer Lehrer
Diplompädagoge
Sekretärin
06217 Merseburg
Beim Fensterputzen hat er sie zum ersten Mal gesehen. Otto Lüthgarth aus Merseburg erinnert sich noch genau. Da hat er zu seinem Freund gesagt: „Die nehme ich!“ Das ist jetzt über 65 Jahre her, seit sich der Diplompädagoge und seine Frau Helga kennen. Beide sind seit 1957 glücklich miteinander verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder, Enkel und Urenkel. Sohn Otti, geboren 1957, ist heute Einsatzleiter bei der Bahn. Tochter Andrea kam 1963 zur Welt und ist in Vaters Fußstapfen getreten. Sie unterrichtet wie einst der Papa als Lehrerin Russisch und Deutsch. Ein harmonisches Familienleben lag Otto und Helga Lüthgarth schon immer am Herzen. Wenn sie auf ihr langes und erfülltes Leben zurückblicken, sind sie stolz auf das Geschaffene und ihre Kinder. Und sie legen zudem Wert auf Traditionen. Dazu gehören das Organisieren von Klassentreffen und Camping seit 1972 an einem See bei Neustrelitz. Solange Otto Lüthgarth es gesundheitlich noch schafft, Auto zu fahren, verbringen er und seine Frau schöne Ferientage mit dem Wohnwagen am Wasser – 300 Kilometer von Merseburg entfernt. Geboren 1933 in Aschersleben, ist Otto Lüthgarth 1940¬–1944 in Merseburg Domgymnasiast gewesen und absolvierte 1952 als Oberprimaner das Abitur an der Ernst-von-Harnack-Schule. Danach wollte er Germanistik studieren, sollte sich aber als Sohn eines Kaufhausbesitzers entscheiden, ob er Offizier oder Lehrer werden will. Otto Lüthgarth entschied sich für eine Pädagogen-Laufbahn und wurde Fachlehrer für Deutsch in Vitzenburg im damaligen Kreis Querfurt (1952–1954). Weil er auch noch den Russisch-Unterricht übernehmen musste, machte er 1959¬–1964 ein Fernstudium an der Karl-Heine-Schule in Leipzig. 1988 kam das Angebot, an der Volkshochschule Erwachsene im Fach Englisch zu unterrichten. Otto Lüthgarth stieg nach gut 25 Jahren Schuldienst um und blieb an der Volkshochschule offiziell bis zu seinem 63. Lebensjahr. Sein ganzes Berufsleben war er ein leidenschaftlicher Lehrer, der außerschulisch viel mit seinen Schülern unternommen hat – z. B. leitete er lange Jahre einen Fanfarenzug, machte im Winter und im Sommer Klassenfahrten und war auch zusätzlich viele Jahre Schulgewerkschafts-Vorsitzender (parteilos) an seiner Schule. Neun Jahre gab er als Honorarlehrer im Rentenalter noch Englisch nach Vereinbarung. Er war sein gesamtes Berufsleben. In seiner Freizeit beschäftigte sich Otto Lüthgarth leidenschaftlich gern mit Musik und dem Handballspiel. Im Jugendtanzorchester Leuna spielte er Geige und Schlagzeug. „Wir waren eine wunderbare Bigband“, schwärmt der Merseburger, der auch ein großes Aquarium und eine Modelleisenbahn sein Eigen nannte. Seine Frau Helga, geboren 1936 in Merseburg und hier zur Schule gegangen, arbeitete im Lebensmittelgeschäft ihres Vaters und später – bis 1964 – bei den Schwiegereltern im Modekaufhaus mit. Sie wollte ursprünglich Erzieherin werden und hatte den Ehrgeiz, eine Ausbildung nachzuholen. Dem Abschluss für Stenographie an der Volkshochschule folgte eine Anstellung als Sekretärin an der Fachschule für Binnenhandel. 1972 wechselte Helga Lüthgarth zur Handelsorganisation (HO), sie arbeitete sich von der Direktionssekretärin bis zur Fachgebietsleiterin für 40 Kommissionshändler hoch. Der Umgang mit vielen Menschen bereitete ihr stets Freude. Als die HO 1992 abgeschafft wurde, verlor die Merseburgerin mit 54 Jahren ihre Arbeit. Sie fühlte sich vom Arbeitsamt falsch beraten, so dass es ihr nicht vergönnt war, mit 55 Jahren in den Ruhestand treten zu dürfen. Mit 60 Jahren wurde sie Rentnerin. Bis 2015 hat sie sich liebevoll um den Garten gekümmert. Ihre Garderobe hat sie sich selbst genäht. Heute unterstützt sie fleißig ihren Mann Otto, wenn es um das Organisieren von Klassentreffen über den engagierten Förderverein des Merseburger Domgymnasiums geht. Dort ist Otto Lüthgarth Ehrenmitglied. „Einmal Lehrer – immer Lehrer“, sagt Helga Lüthgarth liebevoll über ihren Mann.