MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Renate Ludwig
Immer in Bewegung bleiben
Finanzbuchhalterin,
Rentnerin
06217 Merseburg
Renate Ludwig geht gern und viel spazieren. Immer in Bewegung bleiben und positiv denken, heißt das Rezept für die im 79. Lebensjahr stehende Hallenserin. Am 2. Juli 1937 im heutigen Halle-Neustadt, wurde sie als siebentes Kind geboren. Ihre Mutter lernte sie nicht kennen, sie starb bei der Geburt. Renate Ludwig wuchs bei der Tante auf. „Das war die Schwester meines Vaters, der mit seiner zweiten Frau noch fünf Kinder bekam“, blickt Frau Ludwig auf ihre Kindheit zurück. In der Papierfabrik Merseburg, der Stadt, in der die Familie wohnte und wo die Seniorin bis heute lebt, erlernte Renate Ludwig den Beruf einer Industriekauffrau. Dort, wo bereits ihr Vater arbeitete, blieb sie dem Betrieb jahrzehntelang treu. Es waren genau 41 Jahre, berichtet die Frau aus der damaligen Finanzbuchhaltung. Sie hat den gesamten Aufbau der Zellstofffabrik, direkt neben dem bestehenden Papierwerk, miterlebt, aber auch den kompletten Abriss. Was zu DDR-Zeiten ein bekanntes Kombinat war, existiert nicht mehr. „Alles weg“, sagt Renate Ludwig. Sie erinnert sich bei Spaziergängen über das frühere Betriebsgelände oft an die Arbeit. „Dann denke ich zum Beispiel, dort stand unsere Kantine“, erzählt sie. Heute freut sich Renate Ludwig über das geschaffene Areal für Naherholung. Hier trifft man Radwanderer, aber eben auch Spaziergänger. Es sei eine arbeitsreiche Zeit gewesen, in der sie von 1951 bis 1992 in ein und derselben Firma beschäftigt war. Sie gehörte dazu, als sich der Verdienst der Arbeitnehmer noch in Lohntüten befand. Das Geld für alle Beschäftigten der unterschiedlichen Abteilungen des Kombinats kam im Koffer an und wurde für die Kollegen ausgezählt, erst vor-, dann nachgezählt und – schließlich eingetütet. „Ganz ohne Wachschutz ging das“, meint sie lächelnd. Blickt Renate Ludwig heute zurück, ist sie stolz darauf, „alles gemeistert zu haben“. Auch für den Landesfachverband Bestattungswesen Sachsen-Anhalt war sie im Bereich der Verwaltung tätig – von 1998 bis 2006. 31 Jahre lang war sie mit Karl-Heinz Ludwig verheiratet. Nach 17 Jahren ihrer Ehe wurde Tochter Claudia als einziges Kind der Ludwigs geboren. Renate Ludwigs Ehemann, der bei der Bahn arbeitete, starb früh – 1989 mit 52 Jahren, an den Folgen eines Schlaganfalls. „Mein Mann hat die Wende nicht mehr erlebt“, sagt sie bedauernd. Auf ihre Tochter und deren Familie ist sie stolz. Claudia ist Hebamme geworden und verheiratet mit einem Maschinenbauingenieur. Das Paar hat zwei Kinder und lebt in Karlsruhe. Glück in der Familie bedeutet der Mutter und Großmutter viel. Damit verbindet sie vor allem Gesundheit und Zufriedenheit. Trotz eines weiteren Schicksalsschlages – Lebensgefährte Bernd Westphal starb 2013 – lässt sich Renate Ludwig nicht hängen. Sie ist viel unterwegs – zu Fuß, mit dem Auto, das sie selbst noch fährt. Sie hat nette Nachbarn und pflegt Kontakte. „Ich lese und handarbeite, mache Gartenarbeit –mir geht es gut“, sagt die Frau aus Merseburg fröhlich. Noch lange gesund und in Bewegung bleiben, hat sie sich fest vorgenommen.