MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dr. phil. Christine Lucyga
Carpe diem
Fachschullehrerin / Literaturwissenschaftlerin
18055 Rostock
Der Ostsee ist Christine Lucyga seit ihrer Geburt nahe. 1944 kam sie noch in Kolberg zur Welt, erhielt durch die Folge von Krieg und Vertreibung schon bleibende Prägungen. Nach Abitur (1963) und Studium von Fremdsprachen und Literaturwissenschaft in Rostock (bis 1969) folgte, nach Lehrertätigkeit an der Hochschule für Seefahrt und der Universität Rostock, die Promotion - alles in allem eine erfolgreiche berufliche Entwicklung für die parteilose Literaturwissenschaftlerin Aber durch politische und gesellschaftliche Grenzen fühlte sie sich immer mehr eingeengt. Das änderte sie 1989, als sie, ermutigt von Joachim Gauck, zunächst zum Neuen Forum kam und sich dort im Sprecherrat engagierte. Aber sie wollte sich stärker einbringen, mehr bewegen, und schloss sich deshalb, einer Familientradition folgend, der SPD an. Statt einer vorgezeichneten Laufbahn an der Universität wurde sie, zu ihrer eigenen Überraschung, für die Volkskammerwahl nominiert und gehörte bis zum Tag der deutschen Einheit der ersten, frei gewählten Volkskammer der DDR an. Danach wurde sie in den Deutschen Bundestag delegiert, gewann die vier folgenden Bundestagswahlen und vertrat für vier Legislaturperioden den Wahlkreis Rostock in Bonn und später in Berlin.
Vieles konnte sie in jenen Jahren bewegen, sich einsetzen für ihre Stadt, den Hafen, den Flughafen, die Werft, konnte Mittel für die Kultur, die Stadtförderung einwerben helfen, musste jedoch auch Niederlagen verkraften - die Zerschlagung des ostdeutschen Werftenverbundes zählt zu den schmerzlichsten.
2005 musste sie sich persönlich entscheiden, ob sie zu den vorgezogenen Wahlen wieder antreten sollte, war bereits durch den Einsatz in Afghanistan in einen schweren Gewissenskonflikt geraten, wollte halten, was sie immer versprochen hatte und verzichtete auf eine neue Kandidatur.
Seitdem ist sie im Ruhestand, aber weiter engagiert, kümmert sich um verschiedene Projekte, die sich aus ihren politischen, kulturellen und sozialen Mitgliedschaften ergeben.
Seit 1963 verheiratet, hatte sie in den Jahren ihrer politischen Tätigkeit nicht genug Zeit für Mann, Tochter und Enkel.
Ihrer Liebe zu Literatur, Musik, Theater kann sie nun aus der Ruhe heraus nachgehen, die Gartenarbeit hält sie körperlich in Bewegung. Carle diem - Nutze den Tag, ist ihre Devise, es sind viele sinnvolle Tage geworden und dürfen es weiter sein.