MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Bruno und Erika Lorenz
„Erfolg hat nur der, der etwas tut, während er auf den Erfolg wartet.“ (Thomas Alva Edison)
Elektromonteur
Geschäftsführer
99090 Erfurt OT Tiefthal
Kurz nach Gründung der DDR erblickte Bruno Lorenz (zweiter Sohn des Umsiedler-Ehepaares Rosa und Gerhard Lorenz) im Dezember 1949 als Hausgeburt in Tiefthal das Licht der Welt. Er lernte noch die Dorfschule und den Unterricht mehrerer Klassen in einem Raum kennen, konnte jedoch später (1966) die 10.Klasse an der Polytechnischen Oberschule abschließen. Im UTP (Unterrichtstag in der Produktion während der Schulzeit) sammelte er in der MTS (Maschinen-Traktoren-Station) erste Eindrücke für die Berufswahl, entschied sich für eine Lehre zum Elektromonteur für Anlagenbau. Im Ausbildungsbetrieb KfL (Kombinat für Landtechnik) verbleibend wurde der junge Facharbeiter Thüringenweit bei der Installation von landwirtschaftlichen Großanlagen (Elektrifizierungsarbeiten) eingesetzt. 1973 – nach 3-jähriger NVA-Zeit und Arbeit im KfL – vom MfS (Ministerium für Nationale Sicherheit) als operativer Mitarbeiter geworben, arbeitete er hauptamtlich im Fachbereich Energiewirtschaft. Am 15.12.1989 beendete er seine Tätigkeit und wechselte in das Energiekombinat Erfurt, das er während seiner MfS-Tätigkeit einige Jahre betreut hatte. Er arbeitete in der Umformstation und nach einer Qualifikation zum Rangierleiter als solcher bis ihn seine Vergangenheit einholte. Während „das Volk“ zuerst gefordert hatte, Mitarbeiter des ehemaligen Staatsapparates sollten sich in der Produktion bewähren, setzte nun eine Hatz auf diese ein. Sie galten als unerwünscht oder „Sicherheitsrisiko“ und unterlagen – ungeachtet von Qualifikation und Leistung – einer generellen Missachtung. So auch Bruno Lorenz, der erst gefördert, nun entlassen wurde und die Arbeitslosigkeit kennenlernen musste. Die ehrliche Angabe seiner beruflichen Vergangenheit führte zum Ausschluss vom Arbeitsmarkt. Niemand wollte (oder sollte) sich mit so jemandem belasten. Durch Personaldienstleister als Leiharbeiter vermittelt war der Lohn von 5,50 DM auf Dauer nicht ausreichend. Drei Jahre Arbeit bei einem Privatunternehmer am Bodensee folgten, ein Hausmeisterposten stand in Aussicht. Bruno Lorenz trug sich mit dem Gedanken in diese Region zu übersiedeln, denn seine politischen Ansichten und fachlichen Leistungen wurden dort akzeptiert. Doch sein Vater starb und er kehrte nach Thüringen zurück. Vorgeprägt durch die erlebte Ächtung suchte er keine neue Stelle, sondern verließ sich lieber auf sein vorhandenes Geschick und den eigenen Fleiß. Er ging als Trockenbauer und Subunternehmer in die Selbstständigkeit, war in Deutschland, Österreich, Irland, Schweiz, England und Russland bis 2007 als Einzelunternehmer aktiv, gründete dann eine GmbH, die sich schnell entwickelte und zeitweise bis zu 12 Mitarbeiter beschäftigte. Ehefrau Erika (verheiratet seit 1971) wurde zu seiner administrativen Hauptkraft. Am 31.12.2016 trat Bruno Lorenz in den Ruhestand, liquidiert seither die GmbH. Bruno Lorenz sagt: „Ich habe mich um Arbeit gekümmert....“ und berichtet davon auch Angebote bekommen zu haben artverwandt zu seiner MfS-Tätigkeit beschäftigt zu werden. Er beschritt jedoch lieber seinen eigenen, schwereren Weg um sich selbst und seiner Einstellung treu zu bleiben – wie auch seine Frau. Die gelernte Bankkauffrau war bei Wendeeintritt ebenfalls MfS-Mitarbeiterin, arbeitete danach bei der Staatsbank und der Deutschen Bank. Als Strukturänderungen zu lange Arbeitswege avisierten, entschied sie sich zu Gunsten der Familie mit den drei Kindern Beate (geb. 1972), Isabel (geb. 1978) und Stefanie (geb. 1979) gegen die Versetzung, war folgend drei Jahre arbeitslos und dann in der Firma ihres Mannes angestellt. Heute genießen die Lorenz freie Zeit gerne mit der Familie (drei Enkel) oder in der Natur beim Caravaning. Für sich selbst wünschen sie Gesundheit, für die Menschen insgesamt eine politisch und sozial gerechtere, friedlichere Welt.