MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Lotte Lorenz
Die Neulehrerin
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Lotte Lorenz, 1929 geboren, hatte als Berufswunsch Säuglingsschwester. Der Beginn der Ausbildung fiel mit den letzten Monaten des 2. Weltkrieges zusammen. Die junge Schwesternschülerin musste Dinge erleben, die sich ihr im Gedächtnis eingebrannt haben: Flüchtlingstransporte, die Nachts durchsucht wurden nach „noch“ lebenden Kindern. Oftmals halb verhungert, krank und ohne Angehörige, wurden diese, zur Erstversorgung durch die Schwesternschülerinnen, zu viert oder fünft in einem Kinderwagen in ein Heim gebracht. So hatte sie sich den Beruf nicht vorgestellt. Doch mit dem Ende des Krieges endete auch die Ausblidung abrupt. Lotte Lorenz arbeitete nun kurz bei einem Bauern, um wenigstens für Lebensmittel sorgen zu können, und entschloss sich dann dem Aufruf zu folgen, Neulehrer zu werden. Damals hieß das ein Jahr kurzzeitige Lehrerausbildung und danach sofortiger Einsatz als Lehrerin in einer Klasse mit 53 Schulanfängern im Alter von 6 bis 10 Jahren, mit einer einzigen Fibel für alle. Parallel zum Unterricht war eigene Weiterbildung angesagt. Der Weg dahin bedeutete 15 km Fußmarsch. In dieser Zeit lernte sie auch ihren Mann, den gelernten Forstfacharbeiter und späteren Schlosser, Werner Lorenz kennen. „Auch er musste Fibelseiten schreiben“, schmunzelt sie und erinnert daran, dass die Seiten des einzig verfügbaren Schulbuches damals in den schulfreien Stunden in mühevoller Handarbeit vervielfältigt werden mussten, um den Unterricht durchführen zu können. Die für den 07.10.1949 geplante Hochzeit musste um ein paar Tage veschoben werden, da der Wunschtermin mit der Gründung der DDR zusammenfiel und an diesem Feiertag keine Trauungen vorgenommen werden durften. Glücklich sind sie trotzdem geworden, haben zusammen neun Kinder großgezogen und bis zum Tod von Werner Lorenz, im Jahr 1996, ihr Leben in gegenseitiger Achtung und Unterstützung gelebt. Die Jahre 1949-19989 verbrachte Lotte Lorenz in verschiedenen Schulen, machte ihre 2. Lehrerprüfung, entschied sich dabei für die Unterstufe und unterrichtete Werken und Schulgarten. Für ihre Arbeit wurde sie 3 mal mit der Pastalozzi-Medaille ausgezeichnet, wurde „Aktivist der sozialistischen Arbeit“. Seit 1989 berentet, freut sie sich heute besonders an der Familie ( 9 Kinder, 17 Enkel, 2 Urenkel), schätzt deren Zusammenhalt und genießt ihre jährlichen „runden Geburtstage“ mit ihren Lieben - eine von der Familie eingeführte Tradition, in der Erkenntnis, dass das Wesentliche im Leben der Mensch neben einem ist.