MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Lotte und Gerhard Berger
Wenn sich Kreise schließen
Schriftsetzerin i. R.
Berufsschullehrer i. R.
Arthur-Beil-Str. 49
09249 Taura
Die eiserne Hochzeit liegt hinter dem Paar und die steinerne freut sich darauf, gefeiert zu werden. Derzeit 66 Jahre glücklich und in Harmonie vereint, ist Lotte Berger stolz auf diese lange Ehe und ihr Mann Gerhard kommt ins Schwärmen: „Mit meiner Frau hatte ich das größte Glück, das mir widerfahren konnte.“ Geheiratet wurde 1948 in noch immer schwierigen Zeiten. Kurz vor der Hochzeit verfiel das Geld. Es gab kein Bier und keinen Bohnenkaffee. Um die Gäste zu bewirten, wurde ein großer Topf Nudelsuppe vom Munde abgespart und die Feier konnte beginnen.
Am 20.05.1926 in Korsenz geboren, musste Lotte Berger mit ihrer Familie auf der Flucht u. a. einen 400 km langen Fußmarsch bewältigen. Irgendwann kamen sie in Geppersdorf an und hatten für 1 ½ Jahre lediglich ein Strohlager zur Verfügung.
Die Schule hatte sie in der Heimat beendet, nutzte eine landwirtschaftliche Lehre und fand ihre erste Arbeitsstelle bei einem Bauern. Der Lohn betrug damals nicht mehr als 15 Mark im Monat. 1952 erfolgte Umzug nach Taura, wo Lotte Berger vorerst ihren Schwiegervater versorgte und pflegte. Anschließend war sie fünf Jahre bei einem Getränkehandel tätig, bewarb sich bei der Druckerei Taura, erhielt die Stelle und arbeitete sich in den Beruf des Schriftsetzers ein.
Als ihre Mutter zum Pflegefall wurde, pausierte die Tochter erneut, begann später bei der zweiten Druckerei von Taura, der Firma Delling, blieb 25 Jahre lang dort und erlangte große Zufriedenheit. Arbeitsklima und Kollegialität waren hervorragend und die Arbeit befriedigte sehr.
Ehemann Gerhard wurde am 03.02.1920 in Waldhöh geboren. Er begann seinen beruflichen Weg in der Landwirtschaft und wechselte 1952 an die Gärtnerei Taura. Als ein Kurs für Stenografie und Maschinenschreiben angeboten wurde, zögerte er keine Sekunde und von da an wandelte sich alles zum Guten. Vom Schulleiter angesprochen, ob er nicht Lehrer werden wollte, kam ebenfalls kein Zögern auf. Diese Chance ergreifend, lehrte er fortan an der Berufsschule für Landwirtschaft und damit schloss sich sozusagen ein Kreis.
Nebenbei spielte Gerhard Berger Geige und Schifferklavier, gehörte der Musikgruppe der Berufsschule an, musizierte mit Freunden und brachte vielen Frauen des Ortes das Tanzen bei. Darüber hinaus hatte er immer eine enge Bindung zu Mutter und Schwiegermutter und seine Lotte einbeziehend sagte er stets: „Ich habe drei Frauen.“ Mit Tochter Sabine kam eine vierte hinzu und danach dominierte das männliche Geschlecht. Sabine hat drei Söhne und zwei Enkelkinder.
Eines hat Lotte Berger nie vergessen – ihren Konfirmationsspruch: „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“ Und sie wurde gekrönt.