MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dieter Bergmann
Schon in frühen Jahren im kalten Wasser gestanden
Speditionskaufmann und Kraftfahrer
09306 Königshain-Wiederau OT Stein
Wer mit Dieter Bergmann ins Gespräch kommt, lernt einen zielstrebigen Menschen kennen, der vor allem Ehrlichkeit schätzt und gern davon erzählt, wie er mit Durchsetzungsvermögen und Ideenreichtum sein Leben gemeistert hat. Unpünktlichkeit mag er dagegen überhaupt nicht.
Der Vater betreibt ein Fuhrunternehmen, der Traum von dessen Erweiterung fällt dem Krieg zum Opfer. Die Mutter stirbt kurz nach der Geburt des Sohnes, der seine Schulzeit als nicht sehr produktiv ansieht. „Vor 1945 waren es die Alt- oder SS-Lehrer danach kamen die Neulehrer, in beiden Fällen war die Politik wichtiger“, erinnert er sich heute. Nach der Schule erlernt Dieter Bergmann den Beruf eines Speditionskaufmanns, mit Praxis beim Vater. Danach fährt er Lkw´s und andere Fahrzeuge. Im Jahr 1954 kommt zum Betrieb eine Sandgrube.
Bis heute erinnert sich Dieter Bergmann an die Interzonentransporte und später die Fahrten durch die DDR. „Im Winter trugen wir Filzstiefel und Pelzmäntel, weil es keine Heizung gab. Die Türen wurden mit Stricken geschlossen und dazu kamen die Engpässe mit den Reifen.“, erzählt er von schweren Zeiten. Doch auch danach wird es nicht leichter. Im Jahr 1960 nimmt sein Betrieb die Betonproduktion auf und muss eine staatliche Beteiligung hinnehmen. Der Vater akzeptiert diese Entwicklung nicht und geht in den Westen. Der Sohn wird Geschäftsführer im Treuhandbetrieb und ist für 32 Mitarbeiter verantwortlich. Nach dessen Verstaatlichung darf er seinen alten Betrieb als Direktor weiterführen. Ab 16.10.1975 bis Dezember wurde er wegen angeblicher Militärspionage von der Staatssicherheit überwacht, stellt er später an Hand seiner ca. 800 Seiten umfassenden Akte fest. 1977 geht der Betrieb in einem Kombinat in Karl-Marx-Stadt auf, Dieter Bergmann wird nun Bereichsleiter. Zwei Jahre später kündigt er aus gesundheitlichen Gründen und arbeitet anschließend bis 1990 als Transportdispatcher.
Im Jahr 1990 wird das schon nicht mehr Geglaubte wahr: Er erhält den Betrieb im Rahmen der Reprivatisierung zurück und übergibt ihn im Jahr 2006 an seinen Sohn. Dieser war 1992 in den väterlichen Betrieb eingetreten. Jetzt zahlt es sich aus, dass ihn der Vater seinerzeit dazu angehalten hat, neben dem Abitur einen Beruf zu erlernen.
Inzwischen genießt Dieter Bergmann den Ruhestand. Viel Zeit verbringt er mit seinen Nachbarn und ist gern mit seinem Auto unterwegs. Eine gute Gesundheit sieht er als höchstes Glück an und freut sich nach wie vor über den Rückhalt, den er in seiner Familie findet. Er lebt sehr gern in seiner Region, kann aber auch über die herrliche Berglandschaft Südtirols ins Schwärmen geraten. Dieter Bergmann liebt die Schnitzereien aus dem Erzgebirge und hat einst mit seiner Frau eine große Sammlung aufgebaut, die ihn immer wieder an die gemeinsam verbrachten schönen Jahre erinnert.