MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gottfried Berlt

Das späte Mädchen und der Landwirt

Gottfried Berlt

Kreuzvorwerk 19
06120 Halle

Gottfried Berlt, 1936 in Schlesien geboren, musste 1947 mit der Familie die Heimat verlassen. Erst in einem Lager in Polen untergebracht, dann in ein Quarantänelager in Bernburg eingewiesen, gelangte die Familie letztendlich in den Kreis Zeitz, wo sie eine Neubauernstelle erhielten. Der junge Gottfried konnte nun wieder zur Schule gehen, die versäumten Jahre nachholen und arbeitete nach Beendigung der Schulzeit im elterlichen Betrieb mit. Diese praktische Tätigkeit war verbunden mit dem Besuch der Berufsschule. 1953 erfolgte der Abschluss seiner landwirtschaftlichen Berufsaubildung. Er erinnert sich noch an die Zeit, als die LPGn gegründet wurden. An die unterschiedlichen Befindlichkeiten der Menschen, die nun wieder ihr gerade neu erschaffenes aufgeben sollten. Lebensgefährtin Monika Holdefleiß ergänzt aus ihren Erinnerungen, dass sie erlebt hat, wie einige Menschen dem mit Flucht in den Westteil Deutschlands aber auch mit Selbsttötung begegneten. Für Gottfried Berlt war beides keine Alternative. Er nahm die Arbeit in einer MTS auf (Maschinen-Traktoren-Station), wurde von dort aus zur Fachschule delegiert und war nach Abschluss seines Studiums bis zur Wende in der Tierzucht, in der Besamung tätig. Auf Grund seiner anerkannt guten Arbeit (zweifache Auszeichnung als Aktivist) wurde er in den Nachfolgebetrieb Stendal übernommen, konnte bis zur Rente seiner Tätigkeit in der Tierproduktion nachgehen. Nachdem seine erste Ehe, aus der die Kinder Thomas (Mauerer und selbstständiger Autohändler) und Karina (Schneiderin) hervorgingen, scheiterte, lernte er 1978 Monika Holdefleiß (geb. 1942) kennen. Diese hatte auch Wurzeln in der Landwirtschaft, sich aber dem Druck auch einen Beruf in dieser Richtung zu ergreifen nicht gebeugt. Nach Abschluss der 10. Klasse war sie Chemiefacharbeiterin geworden. Einsätze auf Großbaustellen der DDR waren nicht ihr Traum und sie bemühte sich selbst, anders unterzukommen. In der Martin-Luther-Universität gelang ihr das. Sie qualifizierte sich zur Laborantin und arbeitete erst in der Chemie, später in der Mineralogie bis sie 2004 über die Altersteilzeitregelung in den Ruhestand ging. In eigenem Häuschen, mit ausreichender Rente haben Gottfried Berlt und Monika Holdfleiß keine Existenzängste nach der Wende kennenlernen müssen. Was sie aber festgestellt haben ist, dass auch im Westen „nur mit Wasser gekocht“ wird und viel Selbstdarstellung nicht immer auf besserem Fundament beruht. Auch der gewohnte Zusammenhalt der Menschen ist leider verloren gegangen, bedauern sie. Bei ihnen beiden hingegen ist mit den Jahren der Gemeinsamkeit die gegenseitige Achtung immer mehr gewachsen und sie genießen heute entspannt etwas aus ihrem Leben gemacht zu haben.
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