MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ursula Bergmann
Durchhaltevermögen ist ihre Stärke
Rentnerin
Groscurthstr. 42
13125 Berlin
Sie ist mit ihren vier Geschwistern in Ostpreußen auf dem Lande groß geworden, wo sie 1932 in Eschenau geboren wird. Die Familie kann ohne ihre Pferde (sie wurden vom Militär eingezogen) nicht auf den Treck gehen und muss bleiben. Sie wird 1947 zwangsausgesiedelt.
Ursula Bergmann ist 12 Jahre, als sie von russischen Soldaten vergewaltigt.wird. 1944 geht sie noch zur Schule. Dann ist sie Dienstmädchen in verschiedenen Haushalten.
Von 1952 bis 1954 absolviert Ursula Bergmann in Berlin - Buch die Fachschule für Kinderkrankenpflege. Ohne Schulabschluss legt sie das Examen als Kinderkrankenschwester mit „Auszeichnung“ ab. Von Ärzten und Schwestern gefördert, wird sie Stationsschwester. 40 Jahre ist sie im Kinderkrankenhaus Berlin - Buch beschäftigt. Sie nutzt jede Form der Weiterbildung.
Auf ihrer Station gab es viele Frühgeburten und Kinderkrankheiten und die Babys konnten nicht nach Hause entlassen werden. Kleinkinder, deren Mütter im Krankenhaus lagen, wurden hier liebevoll betreut, ebenso Kinder mit Hirnschädigungen sowie schwerst behinderte Kinder.. Auch Kinder, die zur Adoption freigegeben waren, gab es. .Deren künftige Eltern wurden von den Schwestern angeleitet. Nach der Wende ist dieser Kontakt zu den Eltern weggefallen. Die Babys werden heute anonym herausgegeben. Bis 1992 ist Ursula Bergmann hier tätig. Zwei Jahre hat sie ehrenamtlich in einem kirchlichen Kinderkurheim gearbeitet. Sie hat Mutter- Kind - Kuren betreut, u.a. auch. fünfjährige Kinder, die sich hier noch vor Schulbeginn erholen konnten.
1999 zum 100. Geburtstag ihrer Mutter heiratet sie. Den Ehemann hat sie auf einem von ihm organisierten Heimattreffen kennengelernt. Sie ist glücklich „über das Zusammensein mit ihm bis zu seinem Tod.“
In der Jungen Gemeinde, im Katholischen Schwesternverband engagiert, ist die Rentnerin auch heute für die katholische Kirche tätig.
Sie näht, stickt, trifft sich zu Bastelaktionen, geht schwimmen und zur Gymnastik, fährt Rad.. „Dass ich trotz schlechter Schulbildung für 40 Jahre als Kinderkrankenschwester tätig sein durfte und auch heute noch anderen Menschen helfen kann“, darauf ist sie stolz. Bereits35 Jahre lebt sie in Berlin, fühlt sich hier wohl. Oft denkt sie an die Mutter, „die uns fünf Kinder durchgebracht hat.“ Alles in allem zufrieden, wünscht sie sich,, “dass ich mein Umfeld in Ordnung bringen kann, bevor ich auf die andere Seite gehe.“