MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Richard Lippmann
„Das Handwerk bildet die goldene Mitte. Es gründet sich auf Ehr und Sitte“ (Sprichwort)
Tischler
Obere Berghäuser 12 a
09661 Hainichen
Die Kindheit des 1932 in Bremen geborenen Richard Lippmann fiel in die Kriegs- und Nachkriegszeit. Seine Mutter starb als er erst zwei Jahre alt war und die Haushälterin des Vaters erzog ihn und seinen Bruder mit Strenge und körperlicher Züchtigung. Dem sanften Vater widerstrebte das. Er entließ sie, aber auf Richard kamen jetzt andere Veränderungen zu. Der Einschulung und den ersten Schuljahren folgte ein Umzug zur Oma nach Hainichen in Sachsen weil Luftangriffe Bremen immer mehr erschütterten. Nach Abschluss der schulischen Ausbildung durchlief er die berufliche zum Tischler in einem VEB der Reparationsleistungen (Möbelproduktion) für die Russen erbringen musste. „Schöne Möbel waren das, furnierte, wunderschöne Möbel, Antikmöbel mit gedrehten Beinen...“ schwärmt Richard Lippmann noch heute von der Produktion des Betriebes, die nicht für den deutschen Markt bestimmt war. Bestrebt mehr Erfahrungen zu sammeln, wechselte er vom VEB in mehrere private Tischlereien und lernte dabei alle Facetten des Berufes kennen und anwenden. Richard Lippmann heiratete die Drogistin Inge (verstorben 2004). Bald konnte sich das Paar über die Geburt der Kinder Sieghard (verstorben) und Evelyne freuen. Die Familie ließ sich nun nur noch schwer mit dem bis dahin eher mageren Verdienst von 1,80 Mark Stundenlohn ernähren. Deshalb wechselte Richard Lippmann nach zehn Jahren Tischlertätigkeit im VEB zu anderen privaten Arbeitgebern, kehrte später aber wieder in seinen Ausbildungsbetrieb zurück. „Der Verdienst war damals überall sehr gering, weshalb ich nach Feierabend noch eine Nebentätigkeit ausübte. 2,00 Mark Stundenlohn zusätzlich dafür, das war schon was, das half....“ Die Wende und damit verbundene Strukturänderungen im Betrieb ermöglichten ihm 1991 mit 59 Jahren über den Vorruhe- den Eintritt in den Ruhestand. Die Abzüge für die vorzeitige Rente nahm er gerne in Kauf. „Ich dachte, das macht nichts, ich gehe trotzdem lieber eher und muttel im Garten...wobei meist meine Frau in den Garten ging und ich habe oben gekocht...“ berichtet er von seiner Leidenschaft für das Kochen. Als seine Stärken benennt Richard Lippmann sein Wissen, seine Ehrlichkeit und seine Freundlichkeit. Stolz ist er auf das Geschaffene, vor allem auf das Haus. Gleich nach der Wende war es fertig. Die Familie war gerade eingezogen, da brannte es ab. Kriminalpolizei und Versicherung ermittelten, bestätigten schließlich, dass der Defekt eines technischen Gerätes zum Brand geführt hatte und gaben das Gebäude und Mittel zum Neuaufbau frei. Dem stellten sich die Lippmanns, bauten das Haus neu. Richard Lippmann war viele Jahre im Geflügelzuchtverein. „Mir geht es gut, ich habe keine Geldsorgen, die Rente stimmt, ich bin zufrieden“ sagt er und wünscht sich deshalb nur noch Gesundheit um alles lange und selbstbestimmt weiter genießen zu können. „Schade nur, dass wir alten Leutchen alle nicht mehr den früheren Buttermich-Weg (Weg führte zum Bauern und wurde zum Milch holen genutzt) laufen können. Der ist jetzt privat und mit einem Tor für uns versperrt. Verstehen kann das niemand und umständlich ist es für uns Alte allemal,“ bedauert er den Verlust liebgewordener Gewohnheiten durch den Vorrang privater Interessen vor den gemeinschaftlichen.