MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gisela Linz
Schon als Kind hat sie „Büro gespielt“
Industriekauffrau
99330 Frankenhain
Das Thema Büro war immer wichtig für sie. Gisela Linz aus Frankenhain in Thüringen wollte von Kind an ihr Berufsleben mal in einem Büro verbringen. In frühen Kindertagen hat sie bereits „Büro gespielt“. Die gelernte Industriekauffrau, geboren 1942 in Reinsdorf bei Landsberg im Saalekreis (Nähe von Halle/Saale in Sachsen-Anhalt), war von 1963–2014 mit ihrem Mann Burkhard (Glasbläser und später Gartenzwerge-Hersteller in Gräfenroda) bis zu dessen Tod verheiratet. Nach der Schulzeit (1948-1958) lernte Gisela zweieinhalb Jahre in der Orwo-Filmfabrik Wolfen, wo sie anschließend arbeitete (zwei Jahre, zuletzt in der Hauptbuchhaltung). Während eines FDGB-Urlaubs in Thüringen lernte sie ihren späteren Ehemann kennen und zog nach Frankenhain. Gisela Linz fand Arbeit in einem halbstaatlichen Holzbetrieb in Gräfenroda. Sie kümmerte sich im Büro um die Buchhaltung, den Einkauf und Absatz. 1972 wurde aus dem Unternehmen ein Volkseigener Betrieb (VEB) für Kleinmöbel. Gisela Linz war nun Betriebsdirektorin und trug Verantwortung für mehr als 30 Mitarbeiter. 1980 erfolgte die Kombinatsbildung, Gräfenroda wurde als Betriebsteil dem Werk Ohrdruf für Möbel und Plast angeschlossen. 1981 kam Gisela Linz nach Ohrdruf, der Betrieb fusionierte nun mit dem Möbelwerk in Arnstadt. Sie wuchs mit ihren Aufgaben und wurde Produktionsleiterin, zuständig für die Kooperation aller Betriebsteile. Als der Betrieb zur Wende Konkurs ging, wurde auch sie mit „abgewickelt“. Anfang der 1990er Jahre ging Gisela Linz in die Arbeitslosigkeit, wurde aber kurz darauf wieder gebraucht, um sich mit ihren Berufserfahrungen einzubringen. Ein Westdeutscher hatte die Firma in Gräfenroda übernommen, sie ließ ihre vielen Kontakte spielen, doch das Unternehmen ging den Bach runter. Gisela Linz wurde krank und ließ sich 1995 aus gesundheitlichen Gründen kündigen. Bis zur Rente mit 60 Jahren arbeitete sie bis 2002 als Planerin in einem Küchenstudio in Arnstadt. Gisela Linz blieb also der Möbelbranche treu. Als Rentnerin engagiert sie sich mit gleichgesinnten Frauen in der Heimatpflege, ist Mitglied im Heimat- und Verkehrsverein und bringt sich für die älteren Menschen im Ort mit ein. Gisela Linz handarbeitet gern und liebt es, etwas zu organisieren, zum Beispiel eine Rentnerweihnachtsfeier, die sehr gut ankommt bei den Ortsansässigen. Sie selbst fühlt sich nicht alt. Auf einer Karte, die sie sich gekauft hat, steht: „Im Alter will ich nicht jung aussehen, sondern glücklich!“ Dieser Spruch ist für die kommunikative Wahl-Thüringerin eine Art Lebensmotto. Im Ort wünscht sie sich mehr Eigeninitiative, um Traditionen weiter gemeinsam zu pflegen und das Leben in Frankenhain lebens- und liebenswerter zu gestalten. Sie will noch lange gesund bleiben und Auto fahren. Auch die Arbeit an ihrem Computer will Gisela Linz nicht missen. Ja, sie „spielt“ noch immer gerne „Büro“.