MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Eberhard Lippmann
Freuden und Leiden des Lebens
Mechaniker für Fahrräder und Nähmaschinen i. R.
Heiersdorfer Str. 8
09217 Burgstädt
Glück bedeutet für Eberhard Lippmann, auf ein langes und sinnerfülltes Leben zurückzublicken, viel Schönes erlebt zu haben. Aber er musste auch viel Leid ertragen.
Geboren wurde der Sachse 1926 in Burgstädt. Vater Georg verdiente als Schlosser sein Geld. Er starb, als Eberhard gerade mal drei Jahre war. Mutter Gertrud war Hausfrau, arbeitete dann in einer Buchbinderei. Später lernte sie Paul Hofmann kennen, der für Sohn Eberhard, dem eine Halbschwester (geb. Hofmann) beschert wurde, ein guter Stiefvater war. Eberhard Lippmann kam in die Schule, in der ein Lehrer vier Klassen in einem Raum unterrichten musste. Nach Abschluss der 8. Klasse lernte er Mechaniker in einem kleinen Reparaturbetrieb für Näh- und Waschmaschinen sowie für Fahrräder. 1944 musste er in den Krieg, um für Führer, Volk und Vaterland sein Leben einzusetzen. Im September geriet er in amerikanische Gefangenschaft und kehrte 1947 nach Hause. „Dann fing ich in meinem Lehrbetrieb an. Als zunächst der Chef und Jahre später sein Sohn, der Juniorchef, verstorben waren, wollte ich den Betrieb übernehmen. Deshalb holte ich die 10. Klasse nach. Außerdem wollte ich die Meisterprüfung ablegen. Aber das war nicht mehr nötig, da ich das Unternehmen nicht leiten durfte. Auch Gespräche mit der Burgstädter Bürgermeisterin halfen da nicht“, erzählt Eberhard Lippmann enttäuscht. Er wechselte dann zum Trikotagen- und Unterwäschewerk Burgstädt und war dort bis zur Rente 1991 ebenfalls als Mechaniker tätig. Ab und an repariert er heute noch in der kleinen häuslichen Werkstatt Fahrräder und Haushaltgeräte. Hilfsbereit zu sein und jemandem eine Freude zu machen, das bereitet ihm immer noch großes Vergnügen.
Drei schwere Schicksalsschläge musste Eberhard Lippmann in seinem Leben verkraften: 2011 verstarb seine Lieselotte, mit der er seit 1948 glücklich verheiratet war. Die Söhne Bernd, ein Bauarbeiter, und Heinz, der als Autoschlosser arbeitete, sind ebenfalls nicht mehr am Leben. Jetzt geben ihm die Töchter Annelie, Näherin von Beruf, Heidi, eine Krankenschwester, und Monika, die Schneiderin ist, sowie sechs Enkel und drei Urenkel Kraft und Lebensmut.
Eberhard Lippmann bereitet das Essen selbst zu, betreut seine Hasen, sieht sich interessante Opernaufführungen an. Akkordeon möchte er gern spielen können. Sein größter Wunsch ist, noch einmal zum Enkel nach Österreich zu fahren, natürlich mit seinem Auto, mit dem er schon in halb Europa unterwegs war!