MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ruth Lippert
Wissbegiering von Kindesbeinen an
Kleiststr. 6 15230 Frankfurt / Oder Fon: 0355 / 5002831
War Ruth Lippert immer, wie sie erzählt. 1934 geboren und 1940 eingeschult, reichte ihr nicht der Abschluss der 8. Klasse, sie holte die 9. Und 10. nach, lernte Schneiderin. Modejournalistin wollte sie eigentlich werden und wenn das schon nicht möglich war, so doch wenigstens noch einen zweiten Beruf, den der Stenotypistin. Mit zwei Facharbeiterbriefen in der Tasche ging es sofort weiter zur Handelsschule. Ihr erster Arbeitgeber war der Rat des Bezirkes, wo sie in den verschiedensten Bereichen als Sekretärin tätig war. In der Schule hatte sie ihren Mann kennengelernt, den später studierten Philosophen, den sie heiratete und mit ihm zusammen sechs Kinder hatte. Eine Tochter starb mit sieben Monaten. Gehalten hat die Ehe mit diesem Querdenker nicht, 1970 wurden sie geschieden. Eine allein stehende Frau, mit fünf Kindern, berufstätig, das war auch in der ehemaligen DDR nicht einfach. Wenn es auch ideelle Unterstützung gab, moralischen Zuspruch oder die Bereitstellung eines Autos für nötige Arztbesuche der Kinder, es war trotzdem nicht einfach. Zumal Ruth Lippert noch lange nicht aufhören wollte, sich weiter zu entwickeln. 1966 wurde sie Leiterin eines Schreibbüros, war gleichzeitig Lehrbeauftragte für 10 Lehrlinge und für deren praktische Ausbildung zuständig.
1974 wechselte sie vom Rat des Bezirkes zur Bezirksdirektion Volkseigene Güter, wurde persönliche Mitarbeiterin des Hauptdirektors und absolvierte 1974-1976 ein Frauensonderstudium an der Verwaltungsschule „Edwin Hörnle“.. Mit der Wende wurde der Betrieb aufgelöst, sie selbst wurde in den Vorruhestand verabschiedet. Nichts für jemanden, der es nicht gewohnt war, die Hände in den Schoß zu legen. Sie suchte und fand neue Herausforderungen. Ein Jahr lang gab sie Steno-Unterricht, in einem kleinen Baubetrieb half sie 2-3 Tage die Woche aus, erledigte die Büroarbeit. Bis 2002 engagierte sie sich im Bereich Bildung und Weiterbildung in der Kammer der Technik. 2004 war sie Gründungsmitglied des Verbandes der Sekretärinnen und Sekretäre e. V., dort ist sie heute noch Ehrenmitglied. Seit 2002 ist sie ehrenamtliche Mitarbeiterin bei UNICEF, in der Gruppe Frankfurt / Oder.
Hohe Anerkennung hat ihre Arbeit erfahren mit der vielfachen Auszeichnung als Aktivistin. Hohe Achtung haben die Kinder und Enkel vor ihrer Lebensleistung. Nicht umsonst finden sie: Es wäre wichtig, sie bringe ihr Leben mal zu Papier.