MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Renate Linke
„Hallo Schwester Renate“
Krippenleiterin
06667 Weißenfels
Wenn sie diesen Ruf hört, weiß Renate Linke, dass sie von einem ehemaligen Heimkind gegrüßt worden ist.
„Eigentlich bin ich schon über hundertfache Oma“, erzählt die nun schon als Rentnerin lebende Kinderkrippenleiterin Renate Linke.
Ihr Leben begann in Breslau, im Juli 1937. Obwohl sie 1943 dort auch eingeschult worden war, erhielt sie bei einer alten Lehrerin Privatunterricht. Wogegen sich die kleine Renate heftig sträubte, geriet ihr dann zum Glücksumstand. In Weißenfels nämlich, wo die Flüchtlingsfamilie, Mutter mit Tochter und Sohn, Unterschlupf fand, wurde sie gleich in die 4. Klasse aufgenommen. Eine Lehre als Industriekaufmann begann Renate 1951 in der „Trampler-Schuhfabrik“. „Das“, so dachte Renate nach drei Lehrjahren, „kann doch nicht alles sein“ und bewarb sich um die Anstellung in einer Kinderkrippe. Sie liebte Kinder und konnte gut mit ihnen umgehen. Renate Linke erhielt die Stelle und galt als ungelernte Hilfskraft. Auf dem zweiten Bildungsweg qualifizierte sie sich zunächst als Kinderpflegerin, dann erhielt sie die Zuerkennung als Krippenerzieherin, dann wurde sie Gruppenleiterin und nach fünf Jahren Abendschule schließlich als Krippenleiterin eingestuft. Beim Rat des Kreises ist sie in der Abteilung Gesundheitswesen für das Kinderheim „Thomas Münzer“ verantwortlich gewesen. 40 Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren wurden von ca. 20 Mitarbeitern betreut. Unter ihnen familiengelöste und behinderte Kinder.
1968 war Tochter Ulrike geboren worden. Sie, deren Ehemann Maik und die beiden Enkelkinder sind der ganze Stolz von Renate Linke. Die Familie war auch Rückhalt, als sie Anfang der 90er Jahre an Krebs erkrankte. 1992 ging sie in den Vorruhestand. Das bedeutete für die sozial engagierte Frau aber keineswegs Stillstand. So gründete sie 1995 die Selbsthilfegruppe „Frauen nach Krebs“. Bis 2007 war sie deren Ansprechpartnerin.
Nach 12 Jahren fühlte sie sich ausgelaugt, wollte weiterhin für Krebskranke da sein, aber noch einmal etwas Neues anfangen. Die Gruppe von 30 Frauen übernahm dann ihre bisherige Stellvertreterin, die sie eingearbeitet hatte.
Im Jahr 2008 erhält die über 70-jährige Renate Linke nach einer entsprechenden Ausbildung das Zertifikat als Hospizhelferin. Sie begleitet Schwerstkranke und Sterbende auf dem letzten Stück des Lebensweges.
Mit der Ehrennadel der Stadt Weißenfels ist Renate Linke ausgezeichnet worden, „weil sie sich unermüdlich für Menschen, die Wärme und Nähe, Verständnis und Hilfe benötigen, einsetzt“.
100 Jahre will die temperamentvolle, liebenswerte Philantropin Renate Linke alt werden, „damit ich noch lange für andere Menschen arbeiten kann“.