MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Evelyn Lindner
Erlebte Solidarität
und Ingolf Seeber
Diplomökonomin
Schweißer
99887 Georgenthal OT Nauendorf
Zum einschneidenden Erlebnis für die Familie Lindner / Seeber wurde der Unfall des Sohnes Erik (Jahrgang 1990) in dessen Lehrzeit. Seitdem belastet vor allem den Vater, der im selben Betrieb tätig war, dieses Ereignis und beeinträchtigte seine Arbeitsfähigkeit lange erheblich. Seit 1996 sind Evelyn Lindner und Ingolf Seeber ein Ehepaar, wenn sie sich auch entschieden, ihren jeweiligen Familiennamen beizubehalten. Dem ersten gemeinsamen Sohn folgte im Jahr 2000 Sohn Jan. 2003 kam Tochter Miriam zur Welt. Das gegenseitige Einstehen in der Familie gehört zu ihrem Weltbild. Evelyn Lindner wurde 1964 in Gotha geboren, wuchs in Gräfenhain am Nordostrand des Thüringer Waldes auf. Sie besuchte die Schule am Ort und die Abiturstufe in Schnepfenthal. In Vorbereitung auf das Studium absolvierte sie ein Jahr ein Praktikum im Gummiwerk von Waltershausen bzw. Gotha. An der damaligen Karl-Marx-Universität Leipzig schloss sie 1988 ihr Studium als Diplomökonomin für Rechnungsführung und Statistik ab, denn Zahlen lagen ihr. Als Gruppenleiterin in der Kostenrechnung begann sie im Kombinat für Technisches Glas Ilmenau, wechselte aber bereits ein Jahr später nach Ohrdruf in die Bilanzierung des dortigen Stahlverformungswerkes. Sie überstand die Kündigungswellen bei Übergang von sozialistischer Produktion zu Marktwirtschaft 1990, qualifizierte sich zusätzlich in Brandenburg (Havel) und war bis 1997 im Marketing und der Buchhaltung der nunmehrigen Tobias-Paletten GmbH Ohrdruf tätig. Dann konzentrierte sie sich auf die Kinder und den großen Garten, den es in Gräfenhain zu bewirtschaften gilt.
Ingolf Seeber (Jahrgang 1967) hatte ab 1984 im VEB Wälzlagerwerk Zella-Mehlis Zerspanungsfacharbeiter gelernt, dann im Ratiomittelbau der späteren Firma Stahlbau Seidel GmbH in Gräfenhain gearbeitet. Als 1994 Arbeitslosigkeit drohte, konnte er sich zum Schweißer qualifizieren und fand dann im Gothaer Werk der Schmitz Cargobull AG bis heute (von Krankheitszeiten und vorübergehender Erwerbsunfähigkeit unterbrochen) seine Aufgaben. Das große Bemühen der Geschäftsführung und die erlebte Solidarität der Kollegen nach dem Unfall des in Ausbildung befindlichen Sohnes lässt die Familie dankbar auf schwere Zeiten zurückblicken. „Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus“, heißt es bei der Dichterin Marie von Eber-Eschenbach. So wünscht man dieser Familie ein Gedeihen in freundlicheren Jahren und die Erfüllung des nach großartigen Fernsehdokumentationen etablierten Wunsches nach einer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn bis an den Baikal-See.