MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Friedel Lindwedel
Ein bewegtes Berufsleben und nebenbei immer auf der Schulbank
Küchenmeister, Lehrmeisterin für gastronomische Berufe
99885 Wölfis
Sie könnte ein Buch schreiben. Friedel Lindwedel aus dem kleinen Ort Wölfis in Thüringen, wo sie 1949 auch zur Welt kam, blickt auf ein bewegtes Berufsleben zurück. Die Frau mit dem ausgeprägten Familiensinn, die von 1967-2015 mit ihrem Mann Rainer (Diplomingenieur-Pädagoge, Berufsschuldirektor, Angestellter beim Arbeitsamt) bis zu dessen Tod verheiratet war, hat zwei Kinder, fünf Enkel und einen Urenkel. Tochter Evelyn wurde 1967 geboren und ist heute Physiotherapeutin in Regensburg in Bayern. Sohn Daniel, Jahrgang 1969, hat krankheitsbedingt umgeschult und ist in der Region geblieben. Friedel Lindwedel besuchte von 1955-1963 die Schule in Ohrdruf. Ihre Großeltern wollten, dass sie nach der 8. Klasse beruflich etwas lernt, um schnell eigenes Geld zu verdienen. Über Bekannte der Großeltern kam sie als „Anlernling“ ins Büro eines Metallbetriebes und „schlug dort gut ein“. Ihr damaliger Chef förderte sie sehr, was aber einer Kollegin im Büro ein Dorn im Auge war. So verließ Friedel ihre Anstellung und wechselte auf Empfehlung ihres Deutschlehrers in die Kinderbibliothek nach Gotha. Dort wurde das ehrgeizige Mädchen als Helferin geführt und durfte sogar die Chefin vertreten, Buchbesprechungen durchführen und einen Leserkreis leiten. Sie fand schnell Spaß daran, holte ihre mittlere Reife auf der Abendschule nach und blieb aber auch nur wieder zwei Jahre in dieser Anstellung. Statt Bibliothekswesen in Leipzig zu studieren, wurde sie schwanger. Ihr Mann studierte noch und das Geld fehlte. Zwei Jahre konnte sie im Betrieb ihres Onkels in Luisenthal als Schreibkraft arbeiten. Nach der Geburt des zweiten Kindes arbeitete sie in der Landwirtschaft, dann in einer Außenstelle des Narva-Betriebes für Lichterkettenfertigung. Fünf Jahre hielt sie stundenweise durch. Dann reichte es! Friedel Lindwedel wechselte in die Schulküche als Hilfsköchin, die auch die Narva-Mitarbeiter versorgte. Ihren Abschluss als Köchin machte sie auf Abendschule nach. Schließlich bewarb sie sich im Oberhofer Panorama-Hotel, blieb aber nur zwei Jahre, denn verkehrstechnisch war der Arbeitsweg umständlich und zeitaufwändig. Später arbeitete Friedel Lindwedel in den beiden FDGB-Ferienheimen in Georgenthal. Inzwischen hatte sie sich zur Küchenmeisterin qualifiziert und übernahm mehr Verantwortung. Nach sieben Jahren trat sie eine Stelle in Ohrdruf als Wirtschaftsleiterin in einem Betrieb an. Das Wende-Jahr 1989 erlebte sie zu Hause im Krankenstand. Den Betrieb gab es nicht mehr und Friedel Lindwedel stand beruflich vor dem Nichts. Wieder bildete sie sich weiter und konnte an der Schule für Hotel- und Gaststättenwesen unterrichten. Sie blieb 13 Jahre dort und erkrankte erneut schwer. 2004 schied sie als erwerbsunfähig aus dem Berufsleben aus und wurde Rentnerin. Noch heute liest Friedel Lindwedel viel oder handarbeitet, wenn sie nicht gerade Zeit mit Gartenarbeit verbringt.