MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christine Lietzow
Zaubern mit der Nähmaschine
Textilfacharbeiterin
Str. der Freundschaft 3
08485 Lengenfeld
Fon: 03706 / 35933
Als Christine Bartsch kam sie im kleinen Ort Abhorn (nahe dem vogtländischen Lengenfeld) 1947 zur Welt. Der Vater ging in den Schacht arbeiten, sie wuchs mit acht Geschwistern auf, besuchte 1954/62 die Schule bis zur 8. Klasse im Nachbarort Plohn (wie Abhorn heute nach Lengenfeld eingemeindet). Als sie anschließend eine Lehre zur Textilfacharbeiterin beim VEB Baumwollweberei Lengenfeld erfolgreich absolvierte, wusste sie noch nicht, dass dieser Betrieb, dieses Metier ihr Leben bis 1991 bestimmen sollte, auch wenn der VEB später im großen Kombinat „Plauener Spitze“ aufging. Ihre Aufgaben als Appreteurin in der Gardinenausrüstung im Drei-Schicht-Betrieb nahm sie in der ganzen Zeit fachlich versiert und fleißig engagiert wahr. Doch der Textilindustrie im Vogtland blieb unter marktwirtschaftlichen Bedingungen ab 1990 wenig Spielraum. Dies bekam auch Christine Lietzow zu spüren, wurde zu Umschulungen delegiert und in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen eingesetzt. Beim Projekt Zukunft e. V. in Reichenbach arbeitete sie als Stepperin, aus dem befristeten Vertrag wurde aber dann noch ein längerfristiges Engagement, wenn auch stets nur als Teilzeitjob. Neun Jahre bis 2011 fand sie hier in Stepperei und Änderungsschneiderei vielseitige Aufgaben, dann galt es für sie, ihren Mann zu pflegen, der 2013 viel zu früh verstarb, nach über vierzig Jahren der Gemeinschaft für Christine Lietzow ein herber, immer noch schmerzender Verlust. Inzwischen war sie 2012 auch in Vollrente. Mit ihrem Mann Siegfried (ebenfalls Textilfacharbeiter in der „Plauener Spitze“) war sie seit 1971 ehelich verbunden, zur Familie gehören der 1970 geborene Sohn Kai (Fernfahrer) und die beiden noch schulpflichtigen Enkel Tom und Tim. Von ihnen stammt die Charakterisierung „Oma hat eine Zaubernähmaschine“, denn die berufliche Beziehung zu den Textilien fand ebenso Ausdruck in langjährig geübtem Nähen für die Familie. Aber ihre Augen wollen den kleinen Buchstaben beim Lesen und den feinen Stichen der Handarbeiten nicht mehr recht folgen. So kümmert sie sich gern um den Garten des Sohnes und das Kleinvieh (wie schon im Elternhaus gelernt und gepflegt).