MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Christel Lenhardt

Harte Zeiten sind nicht für immer zu verdrängen

Christel Lenhardt

Rentnerin
Zwingerstr. 3
06110 Halle / Saale
Fon: 0345 / 2390614

So sehr die bedrückenden Erlebnisse aus schweren Zeiten Christel Lenhardt belasten, stets kämpfte sie an, wollte sich nie unterkriegen lassen. Als Christel Blum kam sie 1954 im vogtländischen Treuen zur Welt, wuchs fast ohne Vater, der früh verstarb, mit einer wenig sorgsamen Mutter auf. Die örtliche Lessing-Schule besuchte sie bis zur 8. Klasse, dann galt sie als aufsässig und schwer erziehbar, wurde in den Jugendwerkhof von Klaffenbach eingeliefert. Die demütigenden Erfahrungen mit Zwangsarbeit in Margarinefabrik und Landwirtschaft hinterließen tiefe Spuren. Zweimal wurde sie für mehrere Monate in den geschlossenen Jugendwerkhof von Torgau eingewiesen, der für alle, die dort „erzogen“ werden sollten, als die Hölle galt – so auch für die junge Christel. Selbst wenn sie heute als rehabilitiert gilt, das seelische Leid nagt immer noch. Als sie Absichten deutlich werden ließ, die DDR verlassen zu wollen, wurde sie drei Jahre in den Frauengefängnissen von Hohenleuben und Hoheneck inhaftiert. Auch für die Rehabilitation dieser Zeit musste sie fast bis heute kämpfen. Bei der Rückkehr ins normale Leben erwartete die junge Frau Arbeit in der Stickerei der „Plauener Gardine“. Mit Detlev Lenhardt trat aber nun bald der Mann in ihr Leben, den sie 1976 heiraten sollte, auch wenn er aus erster Ehe einen Sohn mitbrachte. Fünf gemeinsamen Kindern konnte sie mehr Geborgenheit schenken, als ihr einst angediehen war. Detlev Lenhardt, geboren 1949 in Ellefeld (ebenfalls Vogtland), war als Kraftfahrer im Handelsbetrieb für Obst und Gemüse in Auerbach angestellt, in dem Frau Christel inzwischen angefangen hatte. Bereits 1977 verließen sie die heimische Gegend, fanden Wohnung und Arbeit in einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) des Saalkreises. Er arbeitete als Traktorist, sie kümmerte sich um die Kinder, übernahm Aufgaben im Speicher und im Kuhstall. 1990 ging es mit DDR und LPG zu Ende. Er fand weiter Arbeit als Kraftfahrer und legte den Führerschein für Gefahrguttransporte ab. Seit 2012 ist er Ruheständler. Christel Lenhardt machte sich als Transportunternehmerin mit Gewerbeschein und Kleintransporter bzw. LKW für fünf Jahre selbständig, kümmerte sich im mitgegründeten Betreuungsverein um drogen- und alkoholabhängige Jugendliche, musste inzwischen ihrer Gesundheit Tribut zollen und ist seit 2013 auch formal Rentnerin. Beider Aufmerksamkeit und Liebe gilt heute den bald neun Enkelkindern.
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