MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Günter Leps

Schulleiter in zwei Systemen – zum eigenen Leben stehend

Günter Leps

Diplom-Lehrer für Geschichte
Oberlehrer (1973)
Studienrat (1979)
Oberstdienrat (1986)
Erich-Weinert-Weg 1
06861 Dessau-Roßlau

Die Kindheit des 1940 geborenen Günter Leps fiel in die Zeit des 2. Weltkrieges und seiner Folgen. Seinen Vater sah er mit vier Jahren ein letztes mal. Bis 1944 vom Kriegsdienst zurückgestellt, wurde er Teil des letzten Aufgebotes und fand sich innerhalb einer SS-Division in einem Kessel in Ungarn wieder. Längst auf verlorenem Posten, führten die Befehlshaber die dort stationierten Männer in den Tod, denn der Aufforderung zur Kapitulation nachzukommen stand für sie nicht zur Debatte. Die Mutter erholte sich nie von dem Verlust, zog ihre beiden Kinder alleine groß. Den beruflichen Weg des jungen Günter Leps bestimmte deshalb auch nicht die Familie, sondern die Zeit und die Empfehlung seines Schuldirektors. So studierte Günter Leps 1954–1958 am Lehrerbildungsinstitut in Köthen, schloss diese Ausbildung als Unterstufenlehrer ab. Er leistete den Armeedienst, unterrichtete ab 1961 Schüler in Rodleben. Die ersten Praxisjahre und das Fernstudium an der Pädagogischen Hochschule Magdeburg zum Dipl-Lehrer für Geschichte, prädestinierte ihn in den Augen des Schulrates, mit nur 28 Jahren 1968 bereits Direktor der Schule zu werden. Viel Mitspracherecht war ihm dabei nicht geblieben. „Wir brauchen und Du musst einsehen, dass....“ waren die Schlüsselworte. Gleiche gaben fünf Jahre später die Begründung für den Wechsel in die Abteilung Volksbildung des Rates des Kreises als 1. Stellvertreter des Kreisschulrates. Was zunächst als zweijährige Übergangslösung avisiert war, wurde zu einem zehnjährigem Einsatz und Auseinandersetzungen mit den Verantwortlichen, wegen dem Bruch der ursprünglichen Vereinbarung. Günter Leps befürchtete den fachlichen Anschluss an den Lehrerberuf zu verlieren. Zudem wollte er Lehrer sein, kein Verwaltungsbeamter. Ein externes Leitungsstudium 1975–1977 am Institut für Leitung und Organisation des Volksbildungswesens der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR hat es als Diplompädagoge abgeschlossen. 1983 gelang ihm die Rückkehr in den Lehrerberuf und als Direktor an „seine Schule“. Problemlos meisterte er die vertrauten Herausforderungen, „...und dann kam die Wende...“, erzählt er. Mit ihr die Überprüfungen aller Kollegen auf Staatsnähe, die Entlassung fast aller Schulleiter. Günter Leps war nicht betroffen und denkt, dass die Ursache dafür darin lag, dass er während seiner Schulleiter-Zeit Delegierungen zur EOS lediglich nach schulischen Leistungen, nicht nach politischer Ausrichtung des Elternhauses vorgenommen hatte. Man wollte vermutlich nun sowohl seinen Leistungen, als auch seiner fairen und standhaften Umgangsweise Tribut zollen, was in den Umbruchzeiten weder üblich, noch häufig war. Aber wie in jedem System: Die nun handelnden Menschen entschieden, und im Fall Leps entschieden sie für ihn, weshalb er bis 2003 weiter sein Amt ausüben konnte. In Vorbereitung der Schließung der Sekundarschule Rodleben 2004 wurde Günter Leps 2003 in den Vorruhestand verabschiedet. Auf der Suche nach neuen Aufgaben, engagierte sich der Atheist als Stellvertretender Vorsitzender im Kirchbauverein und sorgte bis 2014 mit dafür, dass die spätromanische Dorfkirche als Kulturdenkmal wieder in neuem Glanz erstrahlen konnte. Körperliche Fitness behielt er durch das Fußballtraining bei den Alten Herren, bis ärztlicher Rat in die Verwaltungsebene wechseln ließ. Jeden 1. Mittwoch im Monat findet sich das ehemalige Lehrerkollegium am Stammtisch zusammen, tauscht Erinnerungen und Erfahrungen aus. Manchmal ist auch ein wenig Wehmut mit im Spiel, wegen veränderten Bedingungen, die Wertevermittlung, die persönlichen Kontakte, die überregionale Schülerschar, das Konfliktpotential mit den Eltern betreffend. Mit seiner Frau Anneli, die Konditor gelernt hat und viele Jahre in einem Rosslauer Cafe mit Wiener Charme gearbeitet hat, dass es heute leider auch nicht mehr gibt, konnte er 2014 die Goldene Hochzeit feiern. Sohn Guido hat für zwei Enkel gesorgt und einer davon trägt sich mit dem Gedanken in die Fußstapfen des Opa zu treten, Lehrer zu werden.
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