MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Rainer Lesch

Ein Gutenbergjünger

Rainer Lesch
Buchdrucker

09353 Oberlungwitz

Grund stolz zu sein, hat Rainer Lesch genug. Mit seiner Berufswahl hatte er sich für ein traditionsbewusstes Metier entschieden, sich die handwerklichen Grundlagen noch in alter Manier erarbeiten können, Buchstabe für Buchstabe wie beim Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, Johannes Gutenberg. 1947 im sächsischen Oberlungwitz geboren, gehörte Rainer Lesch schon zu jenen Jahrgängen, die ihren Schulbesuch mit dem Abschluss der 10. Klasse verbinden konnten. Seine Entscheidung, eine Lehre zum Buchdrucker im nahen Hohenstein-Ernstthal aufzunehmen, brauchte er nicht zu bereuen, es wurde sein Traumberuf. Am Anfang der Ausbildung standen grundlegende Dinge wie das Setzen per Hand mit Setzhaken und die ersten Versuche an der Abziehpresse. Die Schnellpresse „Planeta“ wurde dann sein Einsatzgebiet, als er nach bestandener Gesellenprüfung im Betrieb blieb, unterbrochen für anderthalb Jahre, in denen er der Pflicht zum Armeedienst nachkommen musste. Nach Umstrukturierungen verlegte er seinen Arbeitsplatz in die Oberlungwitzer Druckerei, einem Qualitätsbetrieb mit bestem Ruf, in dem auch international gefragte Erzeugnisse hergestellt wurden, Kalender für den Export, Kataloge für den Devisenhandel, Broschüren für das Wiener Naturkundemuseum. Das aus politischen Gründen auch mal die Arbeit zunichte gemacht wurde, der DDR-weit beliebte Schlagerkalender eingestampft werden musste, als sich mit Klaus Renft einer darin präsentierte, der zwischenzeitlich das enge Land verlassen hatte, gehört zu den Kuriositäten seines Berufslebens. Als 1990 Privatbetriebe wieder möglich wurden, machte sich der Sohn seines ehemaligen Chefs mit einer Druckerei in Hohenstein-Ernstthal selbständig. Rainer Lesch gehörte zu den Mitstreitern, die die Firma „Mugler-Druck“ aufbauten, wenn er auch bedauerte, dass statt Qualitätsbuchdruck nun der effektivere, aber handwerklich weniger fordernde Rollen-Offsetdruck zum Einsatz kam. Bis zum Jahr 2008 blieb er, entschied sich dann für den Übergang in die Rente. Mit Frau Petra ist er nun seit 43 Jahren verheiratet, freut sich an den beiden Söhnen und den zwei Enkeln. Seit er im Rollstuhl sitzt, vermisst er die Arbeit im Garten. Der Freund der Motorsportrennen am traditionsreichen Sachsenring liest gern, vor allem Karl Mays Werke, mit denen ihn der in Hohenstein-Ernstthal geborene Schriftsteller in fremde Welten führt.
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