MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Brunhilde Leikauff

„Bleib dir selbst treu, du bist alles, was du hast.“ Janis Joplin

Brunhilde Leikauff

Bockwitzer Str. 5
04552 Borna
Fon: 03433 / 200626

Als das Mädchen Brunhilde (geb. 1936) die Schulzeit 1942–1950 beendete, hatte sie das Glück, den gewünschten Beruf erlernen zu können. Schon als Kind hatte sie viel genäht, eigene Sachen geschaffen. Nun lernte sie bei dem privaten Handwerker Köhler in Borna Industrieschneiderin. Die 40,50 Mark Lehrgeld gab sie zu Hause ab, nachdem sie einen geringen Betrag dazu nutzte, sich selbst etwas zu leisten: Eine Rolle Drops. Doch mit der Lehre war die Arbeit als Schneiderin vorbei, denn die Ausbildungsfirma übernahm die Lehrlinge nicht. So suchte sich die junge Frau neue Tätigkeit, nahm die als Verkäuferin beim KONSUM auf, später als Sprechstundenhilfe, kehrte 1958 zum KONSUM zurück und blieb dort bis zum Renteneintritt tätig. Die Jahre 1961–1970 war die Zeit ihrer persönlichen Entwicklung und Weiterbildung, erzählt sie. Die 10. Klasse schloss sie ab, die Sonderreife erlangte sie, studierte an der Fachschule für Binnenhandel und schloss 1970 ihr Hochschulstudium an der Universität Leipzig als Diplom-Wirtschaftlerin ab. Für private Dinge hatte sie in diesen Jahren wenig Zeit, konzentrierte sich auf das berufliche Fortkommen. Erst 1974 lernte sie ihren Mann Günther kennen, heiratete 1976. Auch er – Bergmaschiner (Schlosser für Anlage und Geräte) von Beruf – qualifizierte sich ständig weiter. E-Lok-Fahrer wurde er, Schichtleiter und absolvierte die Meisterschule zum Meister für Großgeräte. Aus einem progressiven Elternhaus stammend, wurde er Mitglied der SED und mit zusätzlichen Aufgaben wie z. B Arbeit in einer Sonderkommission, betraut. Mit dem Besuch der Bezirksparteischule verinnerlichte er die theoretische Lehre dessen, was er praktisch bereits fühlte und anwandte. Für Brunhilde Leikauff wuchs die Verantwortung mit jeder weiteren Qualifizierung. Erst Verkaufsstellenleiterin, wurde sie Abteilungsleiterin, Betriebsleiterin für Textilien, Schuhe und Lederwaren, ab 1975 Vorstandsmitglied im Handel, danach zusätzlich stellvertretende Vorsitzende der Konsumgenossenschaft Borna und ehrenamtlich Vorstandsmitglied im Bezirksverband der Konsumgenossenschaft. Mit der Wende schockierte sie am meisten: Im KONSUM hatte sich ein Betriebsrat gebildet, mit selbsternannten, bis dahin unbekannten „Größen“, die als erstes von ihr eine schriftliche Erklärung forderten, dass sie nicht für die Staatssicherheit tätig war. Ihre „Zusammenarbeit“ hatte darin bestanden bei diesen Organen Unterstützung zu erfahren, wenn die Versorgung der Bevölkerung nicht gewährleistet, Waren nicht verfügbar waren und beschafft werden mussten. Aus ihrer Sicht ein Kümmern um die Belange der Bürger. Deshalb missfiel ihr das Verdrehen dieser Tatsachen in Überwachung und Bespitzelung. Doch nach drei Monaten wurde der Vorstand sowieso aufgelöst, jeder musste sich neu bewerben. Als Leiter Marketing hatte sie danach noch viele Kündigungen zu unterschreiben, ließ sich nach einem Jahr die eigene aushändigen, um jüngeren Kollegen Chancen zu lassen. Zusammen mit ihrem Mann kämpften beide gegen die entstandene Leere. Die Wohnung wurde renoviert, ein Garten angeschafft, Dauercamping begonnen, heute wird die Karibik bereist. Gesundheitlich schwere Rückschläge haben die Optimisten nicht von einem Wunsch abgebracht: 113 Jahre alt wollen sie werden.
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