MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Lothar und Helga Lehmann
Eine Firma für fast das ganze Berufsleben
Industriemeister
Lagerarbeiterin
Am Sonneneck 9
04720 Zschaitz-Ottewig OT Goselitz
Der VEB Döbelner Beschläge- und Metallwerk (DBM) bildet den überaus langjährigen beruflichen Hintergrund für beide Ehepartner. Das Aus für die Firma aufgrund mangelnder marktwirtschaftlicher Perspektive nach dem Ende der DDR wurde für sie zum Einschnitt. Lothar Lehmann landete in einer Auffanggesellschaft, musste mit Hand anlegen, als große Teile des Betriebes abgerissen wurden. Geboren wurde er 1939 schon in dem Haus in Goselitz (seit 1969 Ortsteil von Zschaitz-Ottewig), das bereits von den Großeltern bewohnt wurde. Als Einzelkind wuchs er in einer von der Landwirtschaft geprägten Familie auf. Nur lernte er seinen eigentlichen Vater nie kennen, der Mann seiner Mutter, der ihn adoptierte, starb bereits 1949. So wurden Mutter und Großmutter zu seinen Bezugspersonen, denen er früh helfen musste bei der Wirtschaft, beim Verkauf der Produkte auf dem Markt. Die Schule besuchte der junge Lothar von 1945 bis 1953 in Zschaitz bzw. Lüttewitz. Drei Jahre dauerte seine Lehre als Werkzeugmacher im Döbelner Werk, dem er mit Ausnahme seiner Armeepflichtzeit in den Jahren 1963/64 dann über dreißig Jahre angehören sollte. Nach Lehrabschluss arbeitete er im Formenbau, verdankte seinem damaligen Meister Felix Prahn wichtige Elemente seiner berufsbezogenen und menschlichen Erfahrung. Er wurde als Arbeitsvorbereiter eingesetzt, besuchte ab 1970 die Meisterschule und war nach deren Abschluss 1973 als Meister der Volkseigenen Industrie vor allem in der Materialbeschaffung tätig. Nach dem Aus für Arbeitsplatz und Werk besuchte Lothar Lehmann Umschulungen und Lehrgänge, doch fand er nie wieder den beruflichen Anschluss, so dass er 1999 vorzeitig in Rente ging. Seine Frau Helga stammt aus dem fast benachbarten Zschochau, wo sie ebenfalls 1939 zur Welt kam. Sie wuchs im Kreis von vier Geschwistern auf, den Vater fraß der Krieg. Bis 1953 besuchte sie die Schule, half danach (Lehrstellen zu finden war schwierig in jener Zeit) noch ein Jahr im Familienhaushalt, dann begann sie bei DBM in der Montage. Die kollegialen Begegnungen mit ihrem späteren Mann führten 1961 zur Heirat. Im selben Jahr wurde Sohn Lutz geboren, dem 1970 Sohn Andreas und 1971 Tochter Simone folgten. Sie kümmerte sich nun um die Kinder, arbeitete zwischendurch in einer Nähstube am Ort, fing dann wieder im bekannten Betrieb an und wechselte von der Montagehalle in die Werkzeugausgabe. Als das Werk dicht machte, überbrückte sie Zeiten der Arbeitslosigkeit mit diversen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Sieben Enkel und die ersten Urenkel erfreuen das Paar. Früher gehörte Lothar Lehmann zur Schallmeienkapelle, einem betriebseigenen Ensemble. Noch immer trifft er sich mit ehemaligen Kollegen regelmäßig. Dankbar genießen die Eheleute jeden Tag, in dem sie im Garten tätig sein können.