MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gerhard Lehmann

Tradition vom Großvater fortgeführt

Gerhard Lehmann

Wirker
Inhaber Kettenwirkerei
Limbacher Str. 15
09243 Niederfrohna

Als Gerhard Lehmann 1929 geboren wurde, hieß die kleine Ortschaft noch Mittelfrohna (wurde 1936 nach Niederfrohna eingemeindet). Schon 1905 hatte der Großvater hier seine Firma gegründet, die sich mit Stickerei in der Textilbranche etablierte, in den zwanziger Jahren auf Kettenwirkerei umstieg. Neben den Eltern prägten auch die Großeltern, ein Bruder und eine Halbschwester seine Kinderjahre. Ab 1936 besuchte er die Grundschule am Ort, wechselte 1940 auf die Mittelschule in Limbach, auf der er mit der Mittleren Reife abschloss. Harte Zeiten kamen mit dem Krieg, nur mit Glück überlebte er ein Bombardement, dem andere Kameraden seiner Jugendzeit zum Opfer fielen. Der Hunger tat weh, in Nachkriegszeiten unternahm er mit dem Bruder weite Hamsterfahrten. In der Limbacher Wirkschule erhielt er seine theoretische Ausbildung als Wirker, im Elternhaus lernte er alles Praktische, um dann in der Familienfirma seine beruflichen Aufgaben zu finden. 1976 übernahm Gerhard Lehmann den Betrieb in eigene Verantwortung, hatte nach Feierabend nun auch die Büroarbeiten am Hals, führte mit meist vier Mitarbeitern den Privatbetrieb bis in die Zeit nach dem Ende der DDR, als ihm klar wurde, dass unter den neuen wirtschaftlichen Bedingungen eine Textilfirma seiner Ausrichtung keine Zukunft mehr haben würde. Die Lohnaufträge (meist Bezugsstoffe aus Samt) fanden keine Abnehmer mehr. Die zwölf Kettenwirkmaschinen mussten verschrottet werden, nur eine fand als Museumsstück Anklang bei einer Firma in Naila. „Im Denken besonnen und klar, im Reden offen und wahr, im Wollen nur edel und recht, im Handeln fest und gerecht, ohne Hochmut und Prahlen im Glück, den Kopf recht hoch im Missgeschick“, war eine Devise, die ihn durch das Leben begleitete. Die ehemaligen Betriebsräume konnte er für viele Jahre an einen Unternehmer vermieten, der dort eine Druckerei einrichtete. Gerhard Lehmann selbst ging in den Vorruhestand. Seit der Heirat 1949 stand Frau Jutta (ausgebildete Näherin) an seiner Seite, sie verstarb schon 1998. 1948 war Tochter Margitta geboren worden, 1952 folgte Sohn Jürgen. Dieser konnte den Beruf ergreifen, den Gerhard Lehmanns Mutter einst für ihren Sohn gewünscht hatte, für den aber in Nachkriegszeiten keine Chance bestand. Als Mediziner und Inhaber einer Allgemeinärztlichen Praxis wirkt Jürgen Lehmann in Gotha. Sieben Enkel, nun auch schon Urenkel und Ururenkel bereicherten das Leben von Gerhard Lehmann. Solange es ihm möglich war, wurden für ihn die nahen und weiteren Unternehmungen mit den verschiedenen Generationen zur Freude.
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