MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Günter Lehmann
Wer harte Arbeit nicht scheut
Tischler
Rohrwerker
Kurt-Schlosser-Str. 6
01591 Riesa
Im mittelsächsischen Jahnatal (zwischen Döbeln und Riesa) begann der Lebensweg von Günter Lehmann, geboren 1933 in Pulsitz, aufgewachsen im benachbarten Jahna, meist bei der Großmutter, denn die Mutter musste in Gärtnerei und Landwirtschaft des Nötigste verdienen, der Vater war 1939 zum Kriegsdienst eingezogen worden, gilt seitdem als vermisst. In den Anfangsjahren besuchte der junge Günter die Schule in Jahna, wechselte dann auf die Oberschule in Ostrau, doch in den Zeiten, als Fliegeralarm und Bombardements auch das Leben hier nahe des Industriegebietes um die Elbestadt Riesa bestimmten, fiel die Schule oft aus. Als der Krieg zu Ende war, konnte wieder die Schule in Jahna besucht werden, wo Günter Lehmann 1948 mit der 8. Klasse abschloss. Schon sein Vater war vor seiner Einberufung beim Tischlermeister Brendel in Ostrau angestellt, hier absolvierte auch Sohn Günter seine Lehre. Drei Jahre dauerte die Ausbildung zum Tischler, doch daraus folgte keine Anstellung, denn mehr als zehn Mann durfte der Tischlermeister nicht beschäftigen, galt sonst als Großbetrieb. So verdingte sich Günter Lehmann, harte Arbeit nie scheuend, für ein halbes Jahr beim Straßenbau in der näheren Umgebung. Dann fand er bei der Fa. Kobisch in Ragewitz (wenige Kilometer nördlich) wieder Arbeit beim Bau von Türen, Fenstern und Möbeln, bekam jedoch den schmalen Verdienst nicht einmal immer pünktlich ausgezahlt. In dieser Gegend lernte er aber bald seine spätere Frau Erika (Heirat 1957) kennen, deren Eltern in der Landwirtschaft zu Hause waren. Auf dem Hof der zukünftigen Schwiegereltern war seine helfende Hand durchaus gefragt. Doch, um eine Familie zu ernähren, schien es ihm richtig, 1956 ins Stahl- und Walzwerk Riesa zu wechseln. Im Rohrwerk II wurde er nun über viele Jahre tätig. Die schwere und schmutzige Arbeit bestimmte sein Berufsleben, er besuchte Lehrgänge und Weiterbildungen, wurde Brigadier in der Abnahme (aber abgesägt, weil er nicht Mitglied der Staatspartei SED war). Bis zum Übergang in den vorzeitigen Ruhestand 1989 wurde er an der Walzstraße eingesetzt.
Seit 47 Jahren ist die Neubauwohnung in der Kurt-Schlosser-Straße des Riesaer Ortsteils Gröba sein Zuhause. Wie seine Frau Erika, lange Jahre Verkäuferin in der Konsum-Genossenschaft, die 2011 verstarb, sind viele Menschen aus der einstigen von Zusammenhalt geprägten Hausgemeinschaft nicht mehr am Leben oder weggezogen. Doch noch immer sorgt Günter Lehmann dafür, dass seine Wohnung in Schuss bleibt, repariert, malert, tapeziert selbst. Tochter Ute, 1963 geboren, und ein Enkelkind bilden heute seinen familiären Rahmen.