MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Günter Lehmann
Ein Leben voller Herausforderungen
Mannheimer Str. 12
06129 Halle
Fon: 0345 / 1200052
Wer mit Günter Lehmann ins Gespräch kommt, lernt einen kommunikativen und aufgeschlossenen Menschen kennen, der gern über sein Leben erzählt. Dieses beginnt am 9. August 1929 in Wettin an der Saale. Die Mutter führt den Haushalt und versorgt die Familie, der Vater ist Ingenieur und außerdem ein bekennender und aktiver Kommunist. Ab 1933 wird er für zwei Jahre inhaftiert. Die Mutter muss in dieser Zeit sehr hart arbeiten, um die Familie durchzubringen. Sie fährt mit dem Sohn bis nach Berlin in die Reichskanzlei, um für den Vater zu bitten. Der Sohn träumt davon, einmal Flieger zu werden und wird Mitglied der Flieger-HJ. Während der Ausbildung zum Werkzeugmacher ist er stets der Beste seines Jahrgangs. Der Krieg geht zu Ende, Günter Lehmann schließt die Lehre ab und wird ein Jahr nach deren Ende zur Arbeiter- und Bauern-Fakultät delegiert. Anschließend beginnt er ein Pädagogikstudium in den Fächern Physik und Mathematik. Mit 23 Jahren ist er Leiter des Kreispionierhauses in Artern, einer ehemaligen Millionärsvilla und dann zeitweilig ein Erholungsheim für Funktionäre des Zentralrates der FDJ. Als er auf einem Lehrgang der Landespionierschule Burgscheidungen ist, überrascht ihn der Besuch seines ehemaligen Landespionierfanfarenzuges. Nachdem dieser eine Nacht in der Landespionierleiterschule übernachtet hat, blasen die Mitglieder zum Wecken zu seiner Überraschung „Die Matrosen von Kronstadt“, von ihnen selbstständig einstudiert und völlig fehlerfrei.
Mit seiner Frau Gisela ist er 25 Jahre verheiratet. Oft gibt es Streit, denn das Ehepaar hat vor allem bei politischen Fragen mehrfach sehr unterschiedliche Ansichten. Günter Lehmann ist seit 1948 Mitglied der SED – aus Überzeugung. Seine Frau aber kehrt von einer West-Reise nicht zurück, Sohn Hendrik ist heute Abteilungsleiter bei einer italienischen Firma in Baden-Württemberg, der Enkel arbeitet bei der Firma ALDI und will einmal Wirtschaftswissenschaftler werden.
Ab 1959 unterrichtet Günter Lehmann zehn Jahre in einer Dorfschule im Saalkreis. Zu Beginn seiner Tätigkeit in dieser Dorfschule Brachwitz unterrichtet er in einer Klasse mit zwei Klassen in einem Klassenraum. 10 Jahre später beginnt seine Tätigkeit in einer Station „Der Junge Techniker“, eingesetzt als Abteilungsleiter für Elektronik. Die nächste Station ist der VEB Ultraschalltechnik, der Herzschrittmacher herstellt und auch das westliche Ausland beliefert. Im Jahr 1991 übernimmt die US-Firma Metronik den Betrieb. Sofort werden die Sicherheitsstandards gesenkt und Personal abgebaut. Günter Lehmann entscheidet sich in diesem Jahr für den Ruhestand.
Er führt ab 1990 die „Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ weiter, die nun „Hallesche Freunde der Völker der ehemaligen Sowjetunion“ heißt. Nach der Wende wohnt der ehemalige Kulturoffizier Sachsen / Anhalt der sowjetischen Militäradministration, Hauptmann Wladimir Gall, bei ihm. Mit ihm gemeinsam überarbeitet er dessen Buch „Mein Weg nach Halle“ noch einmal. Es wurde nach seiner Neuauflage erneut sehr erfolgreich verkauft. Der bekannte Regisseur Konrad Wolf war während des 2. Weltkrieges Stellvertreter von Wladimir Gall. Gemeinsam waren sie in einem Lautsprecherwagen eingesetzt, der in der vordersten Frontlinie die Deutschen dazu aufrief mit dem Krieg für Hitler Schluss zu machen. Günter Lehmann wünscht sich indessen, vor allem noch einige Jahre bei guter Gesundheit verleben.