MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Egon Lang
Als Lokführer noch ein Traumberuf war
Lokomotivführer
99894 Leinatal OT Schönau vor dem Walde
In Egon Langs Jugend fuhren alle Lokomotiven noch mit Dampf und das faszinierte den Heranwachsenden. Der Traumberuf stand fest, er behielt ihn zielstrebig im Blick. Im thüringischen Schönau vor dem Walde, wo heute längst wieder sein Zuhause ist, stand 1941 auch die Wiege von Egon Lang. Hier besuchte er die Schule bis zum Abschluss der 8. Klasse. Dann begann er seine Lehre als Betriebsschlosser im Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Gotha. Nach einem Jahr stieg er auf Lokschlosser um, wurde im letzten Jahr schon im Bahnbetriebswerk eingesetzt. Dieser Facharbeiterabschluss war Voraussetzung, um seinen Wunsch, zum fahrenden Personal zu gehören, zu erfüllen. Nur war er noch nicht achtzehn Jahre alt und damit zu jung für den Schichtdienst. Da wechselte er für ein halbes Jahr noch zur Rostocker Neptun-Werft, wo Hilfe beim Aufbau eines neuen Eisenbahn-Fährschiffes für den Einsatz im Saßnitzer Hafen dringend gebraucht wurde. Dort hätte man ihn gern behalten, doch der Chef des Bahnbetriebswerks beorderte ihn zurück, setzte große Hoffnungen auf ihn. Egon Lang begann als Heizer, wurde dann Anwärter und konnte nach einem viertel Jahr auf der Lokfahrschule in Weißenfels als Lokomotivführer abschließen. In den nächsten Jahren bediente er mit Güter- wie Personenzügen vor allem den Thüringer Raum, zog wegen der dienstlichen Verpflichtungen bei Tag und Nacht für 21 Jahre nach Gotha. Bis 1969 fuhr er ausschließlich auf Dampflokomotiven, dann kamen zuerst die Dieselloks, später auch die Elektroloks nach entsprechenden Weiterbildungen zu seinen Aufgaben hinzu. Ein Lehrgang befähigte ihn zudem, als Ausbildungslokführer tätig zu werden. Fünf Jahre pendelte er regelmäßig zwischen Heimat und Rumänien, als der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) die Aufgaben zwischen den damals sozialistischen Ländern neu verteilte, so dass die bekannte Baureihe 119 (wegen der Bullaugen als „U-Boot“ bekannt) auf dem Ostbalkan gebaut wurde. Egon Lang überwachte vor Ort den qualitätsgerechten Bau, führte Testfahrten durch und war für die Abnahme zuständig. Als aus der Deutschen Reichsbahn nach dem Zusammenschluss von DDR und Bundesrepublik die Deutsche Bahn AG wurde, erwarb Egon Lang selbstverständlich auch hier die nötigen Berechtigungen, blieb an Bord der erweiterten Flotte, sah sich gebraucht und gefordert, ehe ein Personalabbau anstand und auch ihn (den Ausbildungs-Lokführer) 1998 mit 58 Jahren recht frühzeitig in Rente schickte. Der geschiedene Vater zweier Kinder freute sich über den Sohn Peter (Jahrgang 1961 und ebenfalls Lokführer) und Tochter Kerstin (1964). Zwei Enkel, drei Urenkelkinder erweiterten das Familienbild. Lange war Egon Lang, schon im Rentenalter, mit Keyboard und Akkordeon als Alleinunterhalter unterwegs. Heute fordert noch der Garten seine Kraft.