MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Willi Landherr
Dem Humanismus verpflichtet
Elektroinstallateur / Ingenieurökonom
99089 Erfurt
Am 23.05.1935 wurde Willi Landherr im ostpreußischen Groß–Tullen geboren und ging anfangs in Hochfeld zur Schule. Im Frühjahr 1944 floh die Familie aus ihrer Heimat, wurde für kurze Zeit in Adlerswalde und später in Freiberg sesshaft. Hier beendete Willi Landherr seine durch den Krieg und die Nachkriegszeit geprägte Schulausbildung und absolvierte von 1950–1953 eine Lehre zum Elektroinstallateur. Nach seinem Abschluss ging er zur kasernierten Volkspolizei und nahm jedes ihm dort vermittelte Bildungsangebot dankend an. Anschließend studierte er an der Ingenieurschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Dresden und machte seinen Fachschulabschluss als Ingenieurökonom. Danach absolvierte er das Fernstudium Wirtschaftswissenschaften. Willi Landherr besuchte ein Jahr die Unteroffiziersschule, drei Jahre die Offiziersschule und diente danach für weitere 10 Jahre als Offizier. Später arbeitete er bei der Vereinigung organisationseigener Betriebe (VOB) Druckerei Fortschritt als persönlicher Mitarbeiter des Betriebsdirektors und schließlich als Direktor Kader / Bildung in Erfurt. Im Zuge der Wende nutzte er die Regelung des Altersübergangsgeldes und ging dann mit 58 Jahren in Pension. Sein Privatleben teilt Willi Landherr seit vielen Jahrzehnten mit Ehefrau Simone. „Wir hätten schon viel eher heiraten können, haben es aber erst 2003 getan“, schmunzelt er. Simone Landherr arbeitete ebenfalls in der VOB Druckerei Fortschritt, hatte Buchbinderin gelernt, absolvierte eine Industriemeisterausbildung für Druckereigewerbe, machte ein pädagogisches Zusatzstudium und arbeitete dann viele Jahre als Lehrmeisterin. Nach der Wende wurde sie übernommen und bildete bis 1996 weiterhin Lehrlinge aus. Nach einer kurzen beruflichen Zäsur ist sie seit 1998 als Operator in der Chipherstellung tätig. Simone und Willi Landherr haben eine gemeinsame Tochter, einen Sohn und bisher 4 Enkel. „Die Familie ist unser Glück, die Kinder und Enkel unser ganzer Stolz“, sagen sie. Die Freizeit gestaltet der mittlerweile 80jährige Willi Landherr nun ein wenig ruhiger. Er hat die politische Wende für sich verarbeiten müssen, die einen prägenden Einschnitt in seinem Leben darstellte. Ehefrau Simone war ihm dabei immer eine hilfreiche Stütze. „Da ich aus dem Büchergewerbe komme, lese ich heute natürlich sehr gern“, erzählt er. „Auch Reisen und fremde Kulturen haben mich immer gereizt. Wenn es die körperliche Verfassung zulässt, bin ich immer noch gern unterwegs“, fügt Willi Landherr hinzu. Nur die handwerklichen Arbeiten, die er oft selbst im gemeinsamen Garten vorgenommen hat, überlässt er mittlerweile der jüngeren Generation. „Ich wünsche mir, dass ich noch eine Weile gesund bleibe, um Zeit mit meiner Frau und meinen Lieben verbringen zu können. Das ist mein größter Wunsch.“