MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Anni Lange
Stets am Pulsschlag der Zeit
Bankkaufrau
99096 Erfurt
Anni Lange kommt 1939 in Möbisburg, heute ein Ortsteil von Erfurt zur Welt. Als sie im Oktober 1945 eingeschult wird, ist sie noch keine 6 Jahre alt, acht Jahre später drängen die geburtenstarken Jahrgänge nach Lehrstellen, die junge Schulabgängerin beginnt eine Lehre in der Schuhfabrik, zunächst als Zuschneiderin, später als Stepperin. Die frisch gebackene Facharbeiterin für Stepperei fängt im Oktober in der renommierten Kinderschuhfabrik Hennecke an, deren Produkte auf der Leipziger Messe ausgestellt werden. Während der Geburtstagsfeier bei einer Freundin lernt Anni Lange einen jungen Mann in der Uniform eines Bahnpolizisten kennen. Dies ist ihr späterer Mann Walter, den sie ein halbes Jahr später, am 4. Juni 1958, heiratet und mit dem sie heute noch verheiratet ist. Die erste Bleibe sind zwei kleine Zimmerchen bei einem älteren Ehepaar. Sie fängt 1964 in der Fabrik in Möbisburg an, die die Schuhleisten für die gesamte DDR herstellt. Hier ist sie bis 1978 tätig, im Jahr 1970 wird der Sohn Andreas geboren. Einen Meisterlehrgang muss Anni Lange wegen Krankheit abbrechen, sie wechselt in die Materialbuchhaltung, der Mann nimmt eine Arbeit bei einem kommunalen Dienstleistungskombinat in Arnstadt auf, wohin auch die Familie zieht. Auf ein Inserat hin fängt Anni Lange bei der Staatsbank der DDR als Geldbearbeiterin an und qualifiziert sich später zur Bankkaufrau. Sie erlebt 1979, wie die so genannten Forumschecks eingeführt werden und am 1. Juli 1990 die Einführung der D-Mark. „Es war sehr hektisch, es gab eine Menge Überstunden und vor allem Urlaubssperre“, erinnert sich Anni Lange. Das Team fährt auch auf die umliegenden Dörfer, sie selbst gibt die von vielen Menschen heiß ersehnte Währung unter Polizeischutz in Holzhausen aus. Ihre Filiale wird ab 1990 von der Dresdner Bank übernommen, sie selbst kann bleiben, doch die neuen Arbeitgeber setzen vor allem auf junge Leute. Nach zwei Jahren Einsatz in Erfurt ist am 31. Dezember 1994 ihr letzter Arbeitstag. Zwei Jahre später zieht Anni Lange mit ihrem Mann in das Haus ihrer kurz zuvor plötzlich verstorbenen Schwester nach Ingersleben. Bis Mai 1998 lebt sie von Transferleistungen und arbeitet dann im Rahmen einer ABM als Sachbearbeiterin im örtlichen Heimatmuseum. Es ist eine sehr schöne Zeit, mit dem damaligen Museumsleiter hält sie heute noch sehr guten Kontakt. Seit dem 1. Januar 2000 ist Anni Lange Rentnerin, am 1. August zieht sie aus Ingersleben wieder weg. Ihr Mann Walter ist bis zu seiner Berentung bei einem Wachschutzunternehmen tätig, der Sohn dient bis 2001 bei der Bundeswehr, arbeitet heute bei Kassel als Teamleiter in einem Logistikzentrum und lebt mit seiner Familie im Eichsfeld. Dessen Tochter, die Enkelin, ist heute das schönste Hobby von Anni Lange. Sie hat einen sehr großen Bekannten- und Freundeskreis und hat vor allem den Wunsch, mit ihrem Mann gesund alt zu werden.