MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Brigitte Lang
Von der Werkzeugmacherin zur Pädagogin
Seniorenresidenz
Am Adelheidring 14
39108 Magdeburg
Für die 1936 geborene Brigitte Lang ist jetzt die Zeit gekommen ruhiger zu treten. In einer Seniorenresidenz – in der Nähe der Kinder – will sie mit ihrem Mann Hilfe bei dessen Pflege in Anspruch nehmen. Sie selbst hat ein bewegtes Leben gehabt. Ihren Vater verlor sie früh, er wurde als Vermisster im Krieg gemeldet. Was aus ihm geworden ist, hat sie nie erfahren. Nach der Beendigung der 8. Klasse konnte sie nicht frei wählen, in welche Richtung sie sich beruflich entwickeln wollte. „Man wurde damals nicht gefragt“, erzählt sie heute, und davon, dass ihr das Arbeitsamt dann anbot entweder Schlosser oder Maurer zu werden – keine Traumberufe für ein Mädchen. So lernte sie zwar Werkzeugmacher, orientierte sich jedoch sofort um. Mit einem Lehrgang Stenografie und Schreibmaschine legte sie die Grundlage für spätere Tätigkeiten, nahm unmittelbar daran die Arbeit im Rat des Kreises Wanzleben (Grundbuchamt) auf. Durch die Hochzeit mit ihrem ersten Mann zog sie nach Magdeburg, arbeitete hier im VEB Maschinenbau „Karl Marx“, war in der Abteilung Absatz für die Exportvorbereitung verantwortlich. Ihr Mann – Angehöriger der Deutschen Volkspolizei und ABV – wurde nach Eilsleben versetzt. Das bedeutete für die kleine Familie Umzug und für Brigitte Lang, dass sie ihre Stelle aufgeben musste, erst einmal arbeitslos war. Als Vertretung in der Postzustellung eröffneten sich Kontakte und Chancen einer Arbeit in der Schule für geistig Behinderte. Was mit der Einstellung als Wachkraft an Nachmittagen und 75 Mark Lohn 1964 begann, wurde nach einem Studium am Institut für Lehrerbildung in Magdeburg zum Beruf und zur Berufung. Als Erzieherin mit Lehrbefähigung arbeitete sie an der Schule, unterrichtete später eine eigene Klasse. Durch nochmaligen Umzug nach Magdeburg, wechselte sie an eine Sonderschule dieser Stadt. 1991, mit 55 Jahren, wurde sie in den Vorruhestand versetzt. Ihr erster Mann war verstorben, ihren zweiten, den Dreher Kurt Pissors hatte sie indessen kennen gelernt. Die Grenzöffnung eröffnete auch für Brigitte Lang neue Perspektiven. Das Angebot in einem OBI-Markt die Campingabteilung zu leiten, nahm sie gerne an. Für die Nähe zum neuen Arbeitsort wurde ein Haus in Büddenstedt gekauft und 10 Jahre bewohnt. Doch um ihren Sohn Willi (geboren 1955, Koch) bei dem Plan einer Selbstständigkeit mit Autopflege zu unterstützen, kauften Brigitte Lang und ihr Mann ein Grundstück in Bad Schmiedeberg – geplant als Firmensitz. Aber es kam anders. Die Autopflege-Idee scheiterte, das Grundstück musste anderer Verwendung zugeführt werden. „Dann bauen wir selbst darauf“, war das Ergebnis neuer Überlegungen und Brigitte Lang (indessen über 50 Jahre) und Kurt Pissors (indessen über 60 Jahre) wurden erneut zu Bauherren. Schöne Jahre haben sie im neuen Heim verbracht. Der richtige Zeitpunkt loszulassen finden sie und planen den Umzug. Brigitte Lang war viele Jahre allein erziehende Mutter. Sie berichtet, dass sie nicht alles hatte in der DDR, aber viel durch Leistung erreichen – selbst einen Trabant fahren – konnte. Heute hingegen gibt es alles, aber viele können es trotz Leistungen nicht erlangen oder ihre Leistung wird nicht gebraucht. Das ist traurig, findet sie.