MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Horst und Dora Lachmann
„Humor ist die Medizin, die am wenigsten kostet und am sichersten hilft.“ (Deutsches Sprichwort)
Kfz-Schlosser
Verkäuferin, Wirtschaftskaufmann, Disponentin
Am Sportplatz 3
04651 Bad Lausick OT Steinbach
Das Mädchen Dora Kalbitz kam als eins von vier Kindern 1940 in Rohrbach zur Welt, womit ihre frühen Kinderjahre in die Kriegs- und Nachkriegszeit fielen. „Als Kinder haben wir davon aber nicht so viel gemerkt. Es gab auch mal Hunger obwohl wir auf dem Dorf wohnten, aber unsere Mutter war rührig, sorgte sich und schaffte heran. Oft ging sie nachts mit dem Rucksack los und brachte am nächsten Tag wieder Essen auf den Tisch,“ erinnert sich Dora Lachmann heute zurück. 1946–1954 besuchte sie die Schule in Belgershain, dann die Oberschule in Leipzig, verließ sie vorzeitig weil durch den Tod des Vaters in der Familie das Geld knapp wurde und sie daher schnell ins Verdienen kommen wollte und musste. Sie begab sich also auf Arbeitssuche und fing als Verkäuferin in einem Feinkostgeschäft an. Nach zwei Jahren Tätigkeit dort und Umzug der Familie nach Steinbach, wechselte sie in eine Konsum-Verkaufsstelle und nutzte die sich nun bietende Möglichkeit den Facharbeiterabschluss als Verkäuferin zu erlangen. „Elf Jahre war ich dort, wurde Verkaufsstellenleiterin, war in der Verwaltung eingesetzt und lernte während der Arbeit meinen Mann Horst kennen,“ berichtet sie. 1961 heiratete das Paar, ein Jahr später wurde Sohn Bert (Schlosser, Instandhalter, Kfz-Sachverständiger) geboren. „Ich habe ihn nicht wegen seiner Schönheit genommen, sondern weil er so humorvoll und so lustig war,“ erzählt sie lachend davon. Als der Sohn 1968 in die Schule kam, fing sie im Kreisbetrieb für Landtechnik an (Disponentin, Austauschlager Steinbach, Qualifizierung zum Wirtschaftskaufmann für Land- und Nahrungsgüterwirtschaft) und blieb hier bis zum Eintritt in die Rente im Jahr 2000 tätig. Ehemann Horst war da schon zu Hause. Er wurde 1938 in eine Landwirtschaftsfamilie in Breslau hineingeboren. 1944 eingeschult, wurde der Schulbesuch durch die Kriegsereignisse unterbrochen. Im Frühjahr 1945 musste das ganze Dorf in dem die Familie wohnte den Ort fluchtartig verlassen und zog mit Pferdwagen in eine ungewisse Zukunft. So auch seine Mutter (Vater war im Kriegsdienst) und er. Sie erzählte später davon. Wie sie unterwegs stehend zwischen ihren Pferden – den Sohn auf dem Wagen – schlief um zu verhindern auch noch das Letzte, vor allem auch die Pferde, durch Diebstahl zu verlieren. Tag für Tag ging es ca. 50 km voran. Als sie Dresden gerade passiert hatten, wurde es bombardiert. Unterwegs suchten sie Schutz vor den Tieffliegern. Untergekommen bei einem Bauern, blieben sie dort lange Zeit bis sie sich in Frauendorf mit dem zurückgekehrten Vater ansiedeln konnten. Horst Lachmann besuchte wieder die Schule, schloss sie 1952 ab. Schon als Junge an Technik interessiert, lernte er den Kfz-Schlosser–Beruf in einem Privatbetrieb, arbeitete dann in der Werkstatt einer MTS und reparierte Traktoren. Als man ihn für die Partei werben wollt, trat er die Flucht nach vorne an und wechselte die Arbeitsstelle. Fortan in der Werkstatt der Konsumgenossenschaft Borna tätig, kehrte er wegen der Unterstützung bei der Wohnraumbeschaffung wieder in die MTS zurück und arbeitete bis zu seiner Entlassung 1996 in der ACZ Steinbach. Der aktive Motorradfahrer erlitt 1990 einen schweren Unfall, an dessen Folgen er lange laborierte, was letztendlich eine neue Tätigkeitsaufnahme nicht mehr ermöglichte. Die Lachmanns begrüßten die politische Wende in der DDR, waren Teilnehmer der Demonstrationen in Leipzig und nutzten die neuen Reisemöglichkeiten gerne. Auf seine 750-er Honda muss Horst Lachmann indessen gesundheitsbedingt verzichten und Ehefrau Dora auf ihre Hobbys das Lesen und Malen. „Und doch: Wir möchten lange gemeinsam, selbstständig und unabhängig bleiben. Ich bin ein Steinbock und mein Mann ein Löwe. Wir sind beide sehr willensstark und trotzdem spontan. Aber auch Ehrlichkeit ist uns beiden sehr wichtig“ sagt Dora Lachmann. Beide sind im Heimatverein, Horst Lachmann zudem im Motorsportverein organisiert und Mitglied im Ortschaftsrat. Die Lachmanns sind ihren Müttern für deren große Zuwendung und Liebe dankbar und sehr stolz auf den eigenen Sohn.