MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Birgit Köth
„Liebe ist der Wunsch etwas zu geben, nicht zu erhalten.“ (Bertolt Brecht)
Manfred Köth
Inhaber Blindentöpferei
Birgit Köth
Inhaberin
Friseursalon Haarscharf & Haargenau
Str. der Freundschaft 26
99894 Leinatal OT Altenbergen
Fon: 036253 / 25825
Für das 1958 in Gotha geborene Mädchen war während des zehnjährigen Schulbesuches die spätere Berufswahl nicht von vornherein klar. Sie ließ sich von ihrer Tante, die ein Friseurgeschäft betrieb, inspirieren und entschied sich das Friseur-Handwerk zu erlernen. Zwei Jahre dauerte die Lehre in einem privaten Salon. Danach verblieb sie im Ausbildungsbetrieb. Sie erzählt: „Wenn man zu DDR-Zeiten diesen Beruf hatte, wurde man ständig angesprochen nach der Arbeit Privatleuten die Haare zu verschönern. Das nahm so sehr zu, dass ich eines Tages zu dem Schluss kam, mich dann gleich selbstständig machen zu können.“ Ihr Lehrmeister unterstützte ihre Bemühungen, fungierte als Mentor und finanzierte die Meisterausbildung mit. Ein Konkurrenzgedanke kam nicht auf. Die Standorte des vorhandenen und des geplanten Salons schlossen das von vornherein aus und zudem herrschte eher Mangel an entsprechender Dienstleistung für die Bevölkerung und die Urlauber, als Überfluss. Nicht von ungefähr hatte man Birgit Köth zuvor ständig um Freundschaftsdienste gebeten. 1986 hatte sie die Meisterausbildung begonnen, im Oktober 1988 erhielt sie die Gewerbegenehmigung. Zehn Jahre zuvor hatte sie ihren Mann Manfred geheiratet, später mit ihm gemeinsam das Elternhaus für eigene Wohnzwecke ausgebaut. Das bewährte sich jetzt, konnte sie doch in diesem Haus nun auch ihren Salon einrichten. Sie berichtet, damals noch nicht einmal einen Telefonanschluss erhalten zu haben. Die Kunden riefen im Konsum an und hinterließen dort ihre Nachrichten. Folgetermine sicherten sie sich gleich am Tag ihres Friseurbesuches. Birgit Köth arbeitete alleine und die genannte Art der Kommunikation spielte sich ein und funktionierte. Erst nach der Wende begann das Wachstum der jungen Firma. Eine ortsansässige Kollegin wurde eingestellt, es wurde angebaut, neu möbliert, die Produktvielfalt wuchs. Was so begann entwickelte sich stetig weiter. Heute arbeitet sie mit vier Kolleginnen, erweiterte um Kosmetik- und Fußpflege-Angebote. Tatkräftige Unterstützung erhielt sie viele Jahre durch ihren Mann, der im Jahr 2018 verstorben ist. Alle handwerklichen Arbeiten in Haus und Geschäft verrichtete er, war außerordentlich talentiert und versiert. Durch Krankheit verlor er im Jahr 2010 sein Augenlicht. Für den Handwerker mit Leib und Seele bedeutete das einen immensen Einschnitt im Leben. Die Arbeit in Behindertenwerkstätten erwies sich langfristig nicht als Alternative. Er erlernte das Töpfern, eröffnete und betrieb eine Blindentöpferei. Birgit Köth half anfangs notgedrungen beim Glasieren von Töpferwaren, den Ofen zu bestücken, Verkäufe organisieren...und lernte bald das Töpferhandwerk ebenso lieben wie ihr Mann. Was anfangs als Beschäftigungstherapie und Hobby begann, wurde zu einem neuen Lebensinhalt für Manfred Köth, die Werkstatt zu einem Insidertip. Die Präsenz auf Weihnachts-, Oster und anderen Märkten rundeten alles ab. Auch Tochter Marlene (geb. 1979) unterstütze bei allem. Sie arbeitet im Elternhaus (selbstständige Versicherungskauffrau ) und Mutter Birgit kann sich über drei Enkelinnen freuen, deren Entwicklung sie aufmerksam verfolgt. Gesundheit und Familie sind für Birgit Köth das Wichtigste und das Besondere: Freunde, die in schwierigen Zeiten da sind und für sie glücklicherweise immer da waren. Wobei ihr selbst auch eine kämpferische Natur innewohnt: „Ich jammere nicht gerne“ sagt sie bodenständig und zielorientiert.