MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ingeborg Köppe

Von den Zahlen zu den Menschen

Ingeborg Köppe

Ökonomin
Anger 109
06800 Raguhn-Jeßnitz

Mutter Teresa und Albert Schweitzer nennt Ingeborg Köppe als Vorbilder. Dies scheint im ersten Augenblick seltsam bei einer Frau, die sich beruflich erst einmal den Zahlen gewidmet hat. Doch so wie sie Geld- und Zeitverschwendung kritisch sieht, so ist ihr Einsatz für die Menschen, besonders seit sie im Pflegebereich tätig war, dennoch verschwenderisch geblieben. Geboren wurde sie 1952 in Preußlitz (damals Ortschaft im Kreis Bernburg, inzwischen in die anhaltinische Stadt eingemeindet). Die Tochter einer Aussiedlerfamilie, der Vater hatte eine Schmiedewerkstatt, besuchte die örtliche Polytechnische Oberschule (POS) bis zum Abschluss der 10. Klasse. In der Bernburger Filiale der Staatsbank der DDR wurde sie zur Bankkauffrau ausgebildet. Der zweijährigen Lehre schloss sich ein dreijähriges Studium an der Fachschule für Finanzwirtschaft in Gotha an, 1973 beendet. Im selben Jahr heiratete sie Klaus Köppe, der aus Jeßnitz stammt. So wechselte sie die Region, war nun im Kreis Bitterfeld aktiv. Sie begann bei der Filiale der Staatsbank in Bitterfeld, doch bald gab es Unterbrechungen aufgrund der Geburt der ersten Kinder. Da ihr dann der Weg in die Kreisstadt zu weit wurde, suchte sie nach Möglichkeiten in der Nähe, fand sie im Nachbarort Raguhn beim VEB Gerüstbau als Hauptbuchhalterin. Noch günstiger gestaltete sich der Arbeitsweg, als ihr zwei Jahre später die Leitung der Jeßnitzer Verkaufsstelle der Konsumgenossenschaft angeboten wurde. Diese Aufgabe ermöglichte es ihr bestens, sich in die Jeßnitzer Gesellschaft zu integrieren. Glückliche Jahre mit bis heute verbundenen Kolleginnen wurden 1986 von der Geburt des 3. Kindes abgelöst. Danach arbeitete sie ab 1988 als Wirtschaftsleiterin im Pflegeheim. Aus der befristeten Stelle wurde bald eine erfüllende längerfristig angelegte Tätigkeit, denn auch bei der Auflösung der DDR-Strukturen blieb sie im Bereich, wechselte zum Pflegeheim im angrenzenden Wolfen-Nord, brachte hier ihre große Flexibilität ein. Sie agierte als Wirtschafterin und Rezeptionistin und ließ sich auch in der Seniorenpflege einsetzen, besuchte dazu an der Weiterbildungsakademie einen Kurs für Demenzbetreuung. Sogar den Chor der Einrichtung konnte sie gründen. An der Volkshochschule belegte sie zudem Weiterbildungskurse wie Aerobic, Bauchtanz und PC. Als im Jahr 2015 ihr Mann, Mess- und Regelungsmechaniker von Beruf, selbst aufopfernde Pflege benötigte, schied sie aus dem Berufsalltag. Er verstarb 2017. Die Kinder Oliver (Jahrgang 1974), Peggy (1977) und Mandy (1986) sowie die drei Enkelkinder geben Ingeborg Köppe reichlich Betätigung beim Streben nach Familienzusammenhalt. Der gläubigen Katholikin fällt es nicht schwer, heute ehrenamtlich für die evangelische Kirche des Ortes im Einsatz zu sein. Gern erinnert sie sich an die wunderbaren Reisen noch mit ihrem Mann zwischen Stockholm und Monte-Carlo, Paris und Amsterdam, aber auch an die gemeinsam bewältigten Herausforderungen wie z. B. 2002 als das Hochwasser Haus und Hof stark schädigte und mühsamer Aufbau nötig wurde. 90 % der Stadt Jeßnitz waren damals von dieser Hochwasser-Katastrophe betroffen.
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