MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Herta und Wilfried Körnig
Zusammenhalt in der ganzen Familie
Rentner
Albert-Schweitzer-Straße 19
04720 Döbeln
Sie gingen miteinander durch dick und dünn, seit sie 1960 geheiratet haben. Zwar haben die kleinen Gebrechen der letzten Jahre ihre Spuren hinterlassen, doch mit Mut und Zuversicht werden Herta und Wilfried Körnig weiter gemeinsam das Leben meistern, mit Humor lässt sich vieles ertragen.
Herta Körnig kam 1937 im ostpreußischen Trakinnen zur Welt, im Oktober 1944 ging es mit der Mutter und den sechs Kindern per Zug auf der Flucht vor der heranrückenden Ostfront nach Sachsen. Im mittelsächsischen Rossau fanden sie Aufnahme. Sie besuchte die Schule bis zur 8. Klasse, arbeitete mit dem älteren Bruder für die Bauern, auch wenn der Lohn nur Fettschnitten waren, die mit den kleineren Geschwistern geteilt wurden. Mit vierzehn Jahren ging sie für drei Jahre bei einem Bauern in Stellung, die Hilfe in Haus, Stall und Feld wurde zur Pflicht. In Mittweida besuchte sie die landwirtschaftliche Berufsschule. Die harte Arbeit war nicht mehr möglich, als sie 1954 die Tochter bekam, 1955 wurde ihr Sohn geboren. In der Roßweiner Textilfabrik war ihre Arbeit nun für lange Jahre gefragt, ehe sie 1992 in Erwerbsunfähigkeitsrente ging.
Ihr Mann Wilfried ist gebürtiger Sachse, seine Wiege stand 1938 in Leutewitz bei Riesa. Seinen Vater lernte er nie kennen, die Mutter verließ ihn, als er acht Jahre alt war, die Großeltern nahmen ihn fürsorglich auf. Nach dem Schulbesuch absolvierte er eine Lehre zum Landmaschinenschlosser, leistete danach Armeedienst, ließ sich zum Industrieschmied umschulen und fing in Roßwein im VEB Achsen-, Federn- und Schmiedewerk an, einem Zulieferer für die DDR-Autoindustrie. Wenn dem ausgezeichneten Bestarbeiter und mehrfachen Aktivisten die harte Arbeit im Drei-Schicht-Betrieb nicht genug war, fuhr er Zusatzschichten als Austräger beim örtlichen Kohlehändler, sein ungebändigter Fleiß zahlte sich für die Familienkasse aus. Er qualifizierte sich zum Pressenführer, aber mit sechzig Jahren ging er in Ruhestand, Freude an der Arbeit kompensierte nicht mehr den körperlichen Verschleiß.
Engagiert in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) wurde er zum Mitglied der Kreisparteileitung gewählt. In der freiwilligen Betriebsfeuerwehr war Wilfried Körnig aktiv, spielte in einer Kegelmannschaft.
Von Roßwein ist das Rentnerpaar vor ein paar Jahren nach Döbeln gezogen, der Familiensinn forderte mehr Nähe zu den Kindern, den drei Enkel, den beiden Urenkeln.