MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dipl.-Ökonom Hildegard Lachmann
Reisen wollte sie schon immer
Kauffrau im Außenhandel
Zühlsdorfer Str. 11
12679 Berlin
Für Bärbel und Hans-Peter Michaelis bedeutet eine Familienchronik sehr viel. Bewahrt sie doch Erinnerungen an das Leben der Vorfahren und an das eigene. In ihrer gemütlichen Essecke berichtet Bärbel Michaelis aus dem Leben.
Geboren wurde sie 1950 in Berlin, der DDR-Hauptstadt, und hieß Koczwara. Sie gehörte dem Kinder-Chor des Friedrichstadtpalastes an, war dabei, als das berühmte Sandmännchenlied aufgenommen wurde, sang später auch im Schulchor, hatte viele Auftritte. Ihr Vater arbeitete als Bäcker, dann bei der Elektrokohle in Berlin-Lichtenberg. Die Mutter war im Kindergarten und in einer Kaufhalle beschäftigt. Doch damit hatte Bärbel Koczwara nichts im Sinn. Sie liebte das Reisen, was in der DDR bekanntlich ein Problem werden konnte. Also suchte und fand sie einen anderen Weg. Sie wählte einen Beruf, der viel mit Reisen zu tun hatte.
Da sie aus einer Arbeiterfamilie stammt, durfte sie 1969 das Abitur mit der Berufsausbildung zur Außenhandelskauffrau ablegen. „Danach war ich im Außenhandel für den Export von Maschinen und Kompressoren erst in das ‚sozialistische Wirtschaftsgebiet’, später in das ‚nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet’ zuständig. Oft unternahm ich Dienstreisen, ab 1981 auch nach Westeuropa“, erzählt Bärbel Michaelis. Endlich erfüllte sich ihr Jugendtraum. In der Zeit lernte sie ihren späteren Ehemann Hans-Peter Michaelis kennen. 21 Jahre blieb sie in dem Betrieb. Nach der Wende arbeitete sie 20 Jahre in einem neu gegründeten kleinen Exportunternehmen. Sie musste lernen, mit dem Computer umzugehen, besuchte Lehrgänge. Es war für sie ein anderes, leichteres Arbeiten. 2011 wurde die Firma geschlossen, weil die Gründer in Rente gingen. Die Mitarbeiter erhielten die Kündigung, auch Bärbel Michaelis. Anfang 2014 ging sie in Rente.
Viele Jahre erholte sich die Familie in der Schorfheide bei Berlin. Die Mutter von Sven und Oma von Charlene liest außerdem Belletristik, Bücher über Ägypten, weil sie dort noch nicht war, besucht Konzerte, wandert gern. Harmoniebestreben, Fleiß und Hilfsbereitschaft sind ihre Stärken. Ist sie mal woanders, bekommt sie schon nach wenigen Tagen Heimweh nach Berlin. Dass das Miteinander der Menschen zerbrochen ist und es viel Ungerechtigkeit gibt, ärgert sie. Malen möchte Bärbel Michaelis noch können. Vor allem Gesundheit und Geborgenheit bedeuten für sie Glück.