MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Irene Bemmann

Atemlos durch die Nacht

Irene Bemmann

Landwirtin i. R.
Dorfstraße 4
09306 Wechselburg OT Seitenhain

Irene Bemmann, geboren am 18.02.1934 in Stöbnig, wuchs mit zwei Brüdern auf. Sie ist im Herzen jung. Wenn die „Amigos“ ihren Song „Im Herzen jung“ zelebrieren und die Musikauswahl übergeht zu Helene Fischer kann sie allerdings nicht anders, als atemlos durch die Nacht zu tanzen und es kommt ihr vor, als wäre ihr geliebter Ehemann Heinz noch bei ihr und gemeinsam würden sie ein Tänzchen durchs Wohnzimmer wagen. Weitere Leidenschaften basieren auf wunderschöner Natur. Werkelt sie im Garten, vergisst sie jedes Wehwehchen, fühlt sich einfach wohl und lässt sich von Blütenpracht verzaubern. Ihr Heinz liebte Nelken. Sie selber kann jeder einzelnen Blüte Freude abgewinnen, doch solche Zufriedenheit durfte sie nicht immer genießen. Sie besuchte die Acht-Klassen-Schule und war während dieser Zeit vielen Schreckensepisoden des Krieges ausgesetzt. Auf dem Schulweg kam sie an einem Judenlager vorbei. Selbst noch Kind, ergriff sie dennoch schon große Betroffenheit über die menschenunwürdige Behandlung der Leute. Als Tochter von Landwirten, musste sie die Eltern frühzeitig unterstützen. Doch Irene Bemmann tat es derart gern, dass sie den gleichen Beruf ergreifen wollte. Die Lehre absolvierte sie an der Landwirtschaftsschule und nahm ihre Tätigkeit am elterlichen Hof auf. 20-jährig heiratete sie ihren Heinz – ebenfalls Landwirt. Zwei Jahre später zog sie zu ihm nach Seitenhain und setzte ihre Arbeit auf dem Hof der Schwiegereltern fort. 1966 übernahm ihr Heinz das elterliche Gut, welches schon 1960 der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft, Typ I, später Typ III angegliedert wurde. Irene Bemmann begann bei der LPG mit Feldarbeit, wechselte anschließend in die Bullenmast, betreute den Schweinestall und war mit ihren neuen Aufgaben glücklich. Ihr Mann war Traktorist in der Tierproduktion. Auch sonntags musste er Wasser fahren, doch das Paar ergänzte sich bei Haushalt sowie bei der Betreuung ihrer Kinder Regina und Rainer prächtig. Ihr Mann war lebenslustig, humorvoll und offen, liebte seine Kinder und war sich nicht zu schade, auch deren Strümpfe zu stopfen. Traurigerweise verstarb er 2012. Zusätzlich zu allen anderen Aufgaben versorgte Irene Bemmann bis zuletzt über viele Jahre die Eltern. 1996 hat sie erleben müssen, wie ihr Bruder das elterliche Gut anbrannte – ihr größter Schock, wie sie heute sagt und von der Dankbarkeit berichtet, die sie gegenüber ihrem Neffen empfindet, der es mit seiner Familie wieder aufbaut. Selbst in fortgeschrittenem Alter verrichtet sie noch alle Alltagsherausforderungen allein und ihre Devise dabei lautet: „Ordnung, Ordnung, nochmals Ordnung!“ Erst, wenn alles vor Sauberkeit strahlt, kann sie die Freizeit genießen. Die Pflege guter Nachbarschaft ist für sie selbstverständlich. Da ihre Kinder gut versorgt sind, hofft sie, einen würdigen Nachfolger für ihr Anwesen zu finden. Ihr abendliches Gebet wird dabei helfen: „Lieber Gott. Meine Gnade soll nicht von dir weichen.“
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