MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ilse Benecke
Ein einfaches, ernstes und doch sehr erfülltes Leben
Verkäuferin und Geschäftsinhaberin
Ströbinger Str. 1
09306 Rochlitz
Fon: 03737 / 42695
Ilse Benecke wächst in Colditz auf, besucht acht Jahre die Volksschule und hilft schon früh in der Fleischerei ihrer Eltern aus. Der Vater ist dort Fleischer, die Mutter Verkäuferin. Ihre Mutter hat die Rentnerin bis heute als warmherzige und fürsorgliche Frau in Erinnerung, die sie im Leben stets unterstützt hat. Mit dem Beginn des Krieges wird der Vater als Koch zur Wehrmacht nach Zeithain eingezogen, aufgrund seines Alters muss er zum Glück nicht an die Front. Er verbringt allerdings geraume Zeit in Gefangenschaft, kann also nicht gleich zum Ende des Krieges zu den Seinen zurückkehren.
Wie viele Menschen ihrer Generation lernt auch Ilse Benecke das Leben zu nehmen, wie es ist. Sie hat keine Lust, als Fleischerin zu arbeiten, das Geschäft der Eltern ist wegen der Abwesenheit des Vaters geschlossen. Sie besucht die Höhere Handelsschule, wo sie „früh den Ernst des Lebens kennenlernt“, wie sie sagt. Doch bald stört es sie nicht mehr, dass der Zug bereits früh um fünf Uhr fährt, „wenn man jung ist, gewöhnt man sich schnell an Alles“, erinnert sie sich.
Durch die Schule lernt sie auch ihren Mann Gerhard kennen, der seine Ausbildung beendet, als sie anfängt. Die jungen Leute treffen sich oft im Zug, im Jahr 1954 ist Hochzeit. Im Jahr 1956 wird die Tochter Gabriele geboren, zwei Jahre später kommt Tochter Sibylle zur Welt. Beide studieren und meistern bis heute erfolgreich ihr Leben, inzwischen ist Ilse Benecke vierfache Großmutter. Sie freut sich über deren Entwicklung, will aber nicht von Stolz reden. „Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz“, meint sie. Sie schätzt Freundlichkeit und Bescheidenheit und mag hochnäsige und arrogante Menschen überhaupt nicht. Gerade das Auftreten eines Teils der Menschen aus dem Westen nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung hat sie in sehr unangenehmer Erinnerung.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Handelsschule arbeitet Ilse Benecke bei der Handelsorganisation (HO) und kann sich noch an den Verkauf der Waren auf Lebensmittelmarken erinnern. Sie gibt ihre Töchter nicht in den Kindergarten, diese erweisen sich als sehr „pflegeleicht“ und halten ohne Murren ihren Mittagsschlaf. Bis heute freut sich die Rentnerin jedes Jahr auf das gemeinsame Weihnachtsfest mit den Kindern und Enkeln.
Nach dem Tod der Schwiegermutter übernimmt sie deren kleine Poststelle, sie kassiert unter anderem bar das Zeitungsgeld oder trägt die Post aus und knüpft so Kontakte zu vielen Menschen. Sie bedauert es sehr, dass diese menschliche Nähe durch den technischen Fortschritt verloren gegangen ist. Seit 1992 ist Ilse Benecke Rentnerin, sie freut sich, wenn alles klappt, das Geld zum Leben reicht und sie vor allem noch lange bei guter Gesundheit bleibt.