MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Barbara Benesch
Hungrige Mäuler
Rentnerin
Summter Str. 2
12623 Berlin
Die hundertzwanzig hungrigen Mäuler der ihr anvertrauten Kinder zu stopfen, das war über viele Jahre die Aufgabe von Barbara Benesch in den Küchen jener Einrichtungen, in denen sie angestellt war. Dies haben ihr oft und viel die glücklichen Gesichter der Mädchen und Jungen gedankt.
Geplant war diese Aufgabe jedoch nicht. 1944 in Berlin geboren, stets im Stadtteil Mahlsdorf zu Hause, war die Tochter einer Sekretärin und eines Hauptbuchhalters erfreut über den Glücksfall, nach dem Abschluss der 10. Klasse 1958 an der Polytechnischen Oberschule einen Ausbildungsplatz als Friseuse zu ergattern. Ihre Lehre absolvierte sie 1958/61 im Salon „Pardun“, in dem sie bis 1970 blieb, zur ersten Friseuse avancierte und damit einen festen Kundenstamm bedienen durfte. Als ihre beiden Kinder geboren wurden, agierte sie erst einmal als Hausfrau und Mutter, bis die Kindertagesstätte ihr die Möglichkeit bot, als Helferin anzufangen, womit die Chance verbunden war, ihre Kinder dort unterzubringen. Sie fand ihren Platz in der Küche, wo das Mittagessen zwar angeliefert wurde, aber aufbereitet und portioniert werden musste, die Vespermahlzeit zuzubereiteten war (Frühstück brachten die Kinder von zu Hause mit). Fünfundzwanzig Jahre blieb sie an der Einrichtung, weitere fünf Jahre an einer anderen. Dazu bot sie Extrastreicheleinheiten und Vorlesen für Kinder, die leicht erkrankt waren und das Kindergartenbett hüten mussten. 2001 ging sie dann in den Vorruhestand. Aber an Ruhe war da nicht zu denken, die eigene Mutter, später dann ihr Mann bedurften teils intensiver Pflege, für Urlaub und genießendes Rentnerdasein blieb keine Zeit. Zehn Jahre pflegte sie ihren Mann, acht Jahre zeitgleich die Mutter. Doch sozial eingestellt, fand sie auch an diesen Aufgaben ihre Freude, konnte auch hier in dankbare Augen schauen, bereichernde Erfahrungen machen.
Nach dem Tod ihres Mannes Karl im Jahr 2011 (Heirat 1966) fand sie in der weiteren Familie, zu den beiden Kindern hatten sich inzwischen vier Enkel und zwei Urenkel gesellt, menschlichen Halt, verfügt aber auch im sozialen Umfeld über reiche Kontakte, kann mit einer Freundin vieles gemeinsam unternehmen, trifft sich gern mit den ehemaligen Kolleginnen. Noch aus der Kindheit ist eine Puppe erhalten geblieben, manch nostalgisches Stück erweiterte inzwischen die Sammlung, die nun ca. 70 liebevoll gepflegte Exemplare umfasst.