MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dagmar Berger
„Mutter mach dich keenen Kopp...“
Inhaberin „Mode für jedermann“
Leipziger Str. 64
06766 Bitterfeld-Wolfen
Fon: 03494 / 699687
Wäre alles wunschgemäß für die 1945 geborene Dagmar Beser verlaufen, hätte sie ihr gesamtes Berufsleben mit Mode zu tun gehabt, denn Schneiderin wollte sie eigentlich werden. Doch letztendlich trat sie zwar in die Fußstapfen ihrer Mutter, die auch diesen Beruf gelernt hatte und indessen in der Küche arbeitete, wurde aber ebenso in der Küche heimisch. Sie lernte nach Abschluss der 10. Klasse in der Filmfabrik Wolfen 1961–1964 Köchin. Sie blieb im Betrieb, wurde später in die Küche des Lehrlingswohnheimes versetzt und nach dem Bau der Abteilung Forschung übernahm sie die dortige Küche als Küchenleiterin. 13 Jahre lang leitete sie hier die Geschicke, bevor sie ins Polytechnikum als Küchenleiterin wechselte. Das hygienische Fehlverhalten einer Mitarbeiterin war willkommener Anlass den laufenden Stellenabbau mit ihrer Kündigung zu unterstützen. Zu dem Zeitpunkt hatte man das Personal bereits von dreizehn auf vier Mitarbeiter geschrumpft und durch den damit verbundenen enormen Aufgabenzuwachs war es schier unmöglich noch alle erforderlichen Kontrollen zu realisieren. Doch das interessierte niemanden, zumal sie eine hoch bezahlte Arbeitskraft war und sich daraus gutes Einsparpotential ergab. Emotional erlebte sie diesen Umgang sehr traurig, hatte sie doch viele, viele Jahre ihre persönlichen Interessen immer denen des Betriebes untergeordnet, war für ihre gute Arbeit als Aktivistin ausgezeichnet worden. Lange war sie danach krank, einige Zeit arbeitslos. Ihre Tochter und deren Lebensgefährte munterten auf: „Mutter mach dich keenen Kopp...“, suchten und eröffneten 1996 einen eigenen kleinen Laden, den sie seit 1998 in eigener Regie führt. 18 Jahre ist sie indessen Verkäuferin für Mode, seit Winter 2013 zudem DHL-Shop-Partner. Sie ist bekannt und beliebt und wenn die Kunden ihr sagen „...ach bleiben sie bloß noch etwas hier....“, ist das ein Lob an Ihre Arbeit. Ihr Herzblut hängt an dem Geschäft und trotzdem sagt sie zur Wende befragt: „Mir ging es zur DDR-Zeit eigentlich besser. Ich wäre sicher nicht über das Rentenalter hinaus arbeiten gegangen, hätte mein Auskommen gehabt. Aber bei den heutigen Preisen und dem bisschen Rente heute....“ Zum Glück macht ihr die Arbeit aber Spaß. Ehemann Horst (Rentner) toleriert die Leidenschaft seiner Frau. Er beschäftigt sich in Haus und Garten, genießt sein Angel-Hobby. Dagmar Berger strickt als Ausgleich zum Beruf, doch manchmal sagen die Kinder Andreas, Matthias, Annette und Grit schon: „Wir brauchen nichts mehr, warte auf die Enkel“. Davon gibt es bisher bereits vier. Das Leben von Dagmar Berger war und ist sehr arbeitsreich und hat sie letztendlich beruflich zum Ausgangspunkt zurückgeführt: Sie wollte Kleidung schneidern und verkauft nun Mode für jedermann.