MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ute Bergemann

Glück ist für sie, wenn andere glücklich sind

Ute Bergemann

Nudersdorfer Str. 6
06889 Wittenberg OT Braunsdorf
Fon: 03491 / 613338  

Wie bei Heranwachsenden üblich, orientierten sich bei dem 1954 geborenen Mädchen Ute die Berufswünsche an den Erlebnissen des Alltags. Der Opa hatte eine Gaststätte: Köchin wäre ein schöner Beruf. Die Teilnahme an einer Laienspielgruppe: Schauspielerin könnte man werden. Und so entschied sie, nach Abschluss der 10. Klasse 1970, Krankenschwester zu werden, weil ihre Freundin das wurde. Sie absolvierte ihre Ausbildung 1970–1973 im Bezirkskrankenhaus Halle-Döhlau, wurde im Anschluss in einer Betriebspoliklinik tätig. Als 1975 Sohn Stephan geboren wurde, nahm sie ein Jahr eine Auszeit. Schichtarbeit gestaltete sich auf Grund der neuen Lebensumstände schwierig und deshalb arbeitete sie kurze Zeit in einer Kinderkrippe, dann in der Sanitätsstelle des Gummiwerkes, bevor sie als Sprechstundenschwester einer Allgemeinmedizinerin bis 1984 tätig wurde. Aber sie suchte eine neue Herausforderung. Sie erfuhr von der Eröffnung des Senioren- und Pflegeheimes am Lerchenberg in Wittenberg, bewarb sich und arbeitete als Krankenschwester in der Einrichtung. Im Jahr 2000 schloss sie erfolgreich die Ausbildung zur Stationsschwester ab, wurde in Folge entsprechend dieser Qualifikation eingesetzt und blieb es bis 2004. Einen zwischenzeitlichen Abstecher in der Wendezeit nach Bayern, hatte sie schnell revidiert. Die zwischenmenschlichen Beziehungen waren andere, das Heimweh groß. Glücklicherweise konnte sie ihren Arbeitsplatz im Pflegeheim wieder einnehmen. Doch auch hier hatte sich Wandel vollzogen. Immer weniger Personal musste immer mehr Aufgaben bewältigen. Für die Patienten blieb kaum noch Zeit. Bei Ute Bergemann führte das zu gesundheitlichen Problemen – Burnout war die Diagnose und es war Zeit die Notbremse zu ziehen, aus „dem Hamsterrad“ auszusteigen. Krankheit wurde von Arbeitslosigkeit und freiwilliger Auszeit abgelöst, bevor sie sich wieder gut genug fühlte und bei der AWO in der häuslichen Pflege die Arbeit aufnahm. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr: Im Smart fuhr sie nun über die Dörfer, immer in Zeitnot, nie mit der eigentlichen Arbeitszeit reichend, an Wochenenden aktiv. Ein Wechsel in eine andere „Häusliche Pflege“ wurde noch schlimmer. An arbeitsfreien Tagen unternahm sie mit dem pflegebedürftigen Mann Ausflüge im Rollstuhl und kümmerte sich um die Mutter die Unterstützung und Pflege brauchte. Es beunruhigte der an Krebs erkrankte Sohn und der im Rollstuhl sitzende Bruder hoffte auf Unterstützung. 5.30 Uhr begann manchmal ihr Arbeitstag, 22.30 Uhr war sie zu Hause. Eine Verbesserung zur Tätigkeit vor dem Burnout war das wohl kaum und eigener Zusammenbruch vorprogrammiert, würde sie keine Änderung anstreben. Hinzu kam das schlechte Gefühl für die ihr anvertrauten Patienten zu wenig Zeit zu haben. Wenn nur sieben Minuten für die morgendliche Hygiene geplant waren, wo blieb dann das freundliche Wort, das Zuhören, das Trösten, das Begleiten? Ute Bergemann kündigte. Seit Herbst 1998 befindet sich ihr Mann im Pflegeheim. Er ist nicht mehr in der Lage bewusst am Leben teilzunehmen, häusliche Pflege würde seinem Zustand nicht mehr gerecht werden. Und endlich hat sich auch für Ute Bergemann ein wenig Glück eingestellt. Sie erfährt große Unterstützung vom Lebensgefährten Siegfried Maiwald, genießt mit ihm die gemeinsame Leidenschaft für sportliche Aktivitäten. Der New York Marathon ist ihr nächstes Ziel. Solche Möglichkeiten hat die Wende gebracht und auch die, in Italien Ski fahren zu können. Im Beruf hat Ute Bergemann die neuen Hilfsmittel und Techniken begrüßt, privat das schöne Auto. Doch für die Kinder findet sie, war es in der DDR nicht schlecht. Sie waren gut behütet und betreut. Ihr Häuschen hat die Familie auch bauen können. Zugegeben, die Materialbeschaffung war schwer. Aber es ging und man wusste es ja vorher und freute sich umso mehr über den Erfolg. Sie ist insgesamt stolz „alles so hinbekommen zu haben“ und freut sich über zwei tolle Freundinnen, eine liebe Schwester und ihren täglichen Begleiter – den Familienhund Boris.
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