MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gudrun Ursula Ahrens
„Solange das Leben da ist, gibt es auch Glück.“ Leo Tolstoi
Str. der Chemiearbeiter 51
06766 Bitterfeld-Wolfen
Fon: 03494 / 34583
Dass Ursula Ahrens heute in Wolfen wohnt, obwohl sie 1949 in Werben an der Elbe geboren wurde, verdankt sie ihren Eltern. Die Mutter Umsiedlerin, der Vater in Hamburg ausgebombt, trafen in der Altmark aufeinander. Auf der Suche nach Wohnraum und Arbeit, fand der Vater in der Filmfabrik Wolfen ein Unterkommen und Hals über Kopf zog die junge Familie mit einem Koffer, einem Kinderwagen, der kleinen Ursula und ihrer Schwester nach Wolfen. 1955–1965 besuchte das Mädchen Ursula hier die Schule und wünschte sich einen Beruf zu lernen, in dem sie mit Kindern umgehen konnte. Kindergärtnerin war nicht möglich, da hier Voraussetzung war, ein Instrument zu spielen, was sie nicht konnte. So nahm sie eine Lehre als Kinderpflegerin auf (später Krippenerzieherin), erlangte 1968 den Abschluss und begann die praktische Tätigkeit in der Wochenkrippe der Filmfabrik Wolfen. Ihrem ersten Mann folgte sie im November 1969 nach Wismar, doch nachdem die Ehe nicht hielt, das Wohnen bei der ehemaligen Schwiegermutter nicht durch eigenen Wohnraum veränderbar war, gab sie ihre Arbeit in einer dortigen Kinderkrippe auf, kehrte 1972 mit dem 1970 geborenen Sohn Christian nach Wolfen zurück. Ein Jahr später heiratete sie ihren Mann Joachim (Maschinen- und Motorenschlosser, Kraftfahrer). 1974 kam der gemeinsame Sohn Stefan zur Welt. Innerhalb der Krippenvereinigung Wolfen hatte sie in der Kinderkrippe „Jenny Marx“ Arbeit erhalten, die sie 1982 aufgeben musste, um die Pflege der Krebskranken Mutti zu übernehmen. Ab Januar 1983 betreute sie, im Sozialwesen tätig, innerhalb einer Fördertagesstätte körperlich und geistig behinderte Kinder und blieb, bis nach der Wende Umstrukturierungen erfolgten und die Schulen für geistig Behinderte aus den Fördergruppen und -tagesstätten hervorgingen. Es folgten die Überprüfungen auf Stasi-Zugehörigkeit, die Forderung des Beschwörens, damit nicht zu tun gehabt zu haben und danach das Zugeständnis der weiteren Tätigkeit. Hilfreich war die erfolgte eigene Weiterbildung zur Arbeit mit geistig Behinderten dabei. In einer Schule für geistig Behinderte arbeitete sie danach 1991–1993 als pädagogische Mitarbeiterin, in einer anderen 1993–2007. Arbeitslosigkeit hat Ursula Ahrens nicht erleben müssen, ging über die Altersteilzeit 2010 in den Ruhestand. Seither arbeitet sie noch stundenweise für die Lebenshilfe in Holzweißig im Betreuten Wohnen und genießt es, weiter gebraucht zu werden.
Ehemann Joachim war im September 1989, nach fünfjähriger Zeit beim Trassenbau in der damaligen Sowjetunion, in die DDR zurückgekehrt. Er konnte die laufenden Entwicklungen kaum begreifen, hatte weitab der Heimat wenig erfahren. Als Hausmeister eines Asylantenheimes und Kraftfahrer in verschiedenen Firmen, ging er seiner Arbeit bis zur Rente nach. Die Familie gesund zu sehen, ist für die Ahrens Glück. Und die Feste der Patchworkfamilie und die Zeit mit den vier Enkeln genießt das Ehepaar sehr.