MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Horst und Martina Abermann

Die Höhen und Tiefen im Leben

Horst und Martina Abermann

Bülziger Str. 19
06888 Wittenberg
Fon: 03491 / 406536  

Horst Abermann hat einmal eine Sendung gesehen, in der es darum ging, dass schwer traumatisierte Kinder Erinnerungen verlieren. So ging es dem 1940 im Sudetenland Geborenen wohl auch, schätzt er heute ein, denn Erinnerungen an die Vertreibung 1946 hat er nicht mehr. Sechs Jahre war er erst alt, der Vater war 1944 gefallen und mit Mutter, Schwester, einem Koffer und einem Kinderwagen ging die kleine Familie einer ungewissen Zukunft entgegen. In Prenzlau (Mecklenburg-Vorpommern) siedelten sie sich neu an. Hier besuchte der kleine Horst von 1947–1957 die Schule, wäre gerne Lokführer geworden. Doch damals galten andere Prämissen: Alle, die auf dem Land wohnten, sollten dort auch bleiben und einen landwirtschaftlichen Beruf erlernen. Horst Abermann gelang es jedoch diese Auflage zu umgehen, eine Lehre als Binnenschiffer im VEB Binnenreederei Berlin aufzunehmen (Umzug nach Berlin). Nach drei Jahren den Facharbeiterbrief in der Tasche, arbeitete er in der Verwaltung (Lohnbuchhaltung und Technik), als Vorbereitung auf das beabsichtigte Fernstudium. Das begann er 1966 und schloss es als Ingenieurökonom für Verkehrstechnik ab. Nach dem Studium bei der Binnenreederei als Energie-Ingenieur tätig, blieb er hier bis 1972 und wechselte dann in einen Baubetrieb (VEB Modernisierung) als ökonomischer Leiter. Von 1980¬–1982 arbeitete er im VEB Baukombinat Berlin im Ingenieurbüro, mit wissenschaftlicher Arbeitsorganisation (WAO) befasst. Als das Interhotel Berlin 1982 den Bereich Rationalisierung gründete, mit dem Ziel Um- und Ausbauten sowie Änderungsbaumaßnahmen in eigener Verantwortung durchzuführen, nahm Horst Abermann hier die Arbeit auf. 1984 lernte er seine Frau Martina kennen und zog in Folge zu ihr nach Wittenberg, wo er ab 1986 im Apparate- und Chemieanlagenbau (ACB) als Planungsleiter tätig wurde. Mit der Wende übernommen, blieb er bis zur Rente als Wirtschaftsingenieur in der Firma Feldbinder, die den ACB gekauft hatte. Martina Abermann, 1957 geboren, hat nach dem Abitur 1976–1979 studiert und den Abschluss Ingenieur für Holztechnik erlangt. Nach Olbernhau vermittelt, war die damit verbundene Wohnsituation unbefriedigend: Ein Zimmer mit Familienanschluss, später ein kleiner Raum unterm Dach mit Wasser holen von einer Quelle, Ofenheizung, die über Nacht die Milch auf dem Tisch gefrieren ließ, sie indessen schwanger..... So kehrte sie in ihr Elternhaus zurück, fand jedoch keine Arbeit ihrer Qualifikation entsprechend und ging in die Produktion in die VEB Möbelwerke Wittenberg. Bis zur Wende und Abwicklung des Betriebes blieb sie dort aktiv. Danach erlebte sie – wie viele andere – die Odyssee aus Umschulung, Arbeitssuche, kurzen Anstellungen und Entlassungen, bis sie sich für eine Selbstständigkeit mit der Übernahme eines Modegeschäftes entschied, das sie 11 Jahre betrieb. Durch äußere Einflüsse ökonomisch nicht haltbar, erlebte Martina Abermann eine Zeit der Angst, der Enttäuschung und Probleme. „Es hing ja auch Herzblut daran“, beschreibt sie die Zeit heute und dass eine solche Situation seelisch sehr verletzend ist. Sie nahm jede Arbeit an, die sie bekommen konnte, arbeitete für 4,60 € Stundenlohn um ihre Situation zu meistern. Heute ist sie in einer Tankstelle in Jessen beschäftigt und ist stolz darauf, den Kopf nicht in den Sand gesteckt zu haben. Der Zusammenhalt in der Familie half die schwere Zeit zu überstehen. Die Kinder Hagen, Christopher und Sarah spendeten Freude, die Eltern von Martina Abermann unterstützen, wo es nur ging. Die Wünsche der Abermanns sind bescheiden: Nie wieder Krieg und lange Gesundheit.
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