MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Inge Albrecht

„Es gibt Berge über die man hinüber muss, sonst geht der Weg nicht weiter.“ (Ludwig Thoma)

Inge Albrecht

Textilfacharbeiterin
Weigelweg 5
09405 Zschopau
Fon: 03725 / 83016

Inge Albrecht, geborene Greßler, kam 1934 in Gornau als Tochter einer Strumpfrepassiererin und eines Schlossers auf die Welt. Sie erinnert sich an die Heimarbeit der Mutter und an den Kriegsdienst des Vaters. Daran, dass er 1944 in Russland fiel und wie sie und ihre Schwester sich bei Flieger- und Tieffliegerangriff fühlten wenn sie in den Luftschutzkeller mussten. „Ich habe mich gar nicht mehr ausgezogen wenn ich abends ins Bett ging....“ berichtet sie davon stets vorbereitet gewesen zu sein wieder Zuflucht suchen zu müssen. Gespielt wurde mit anderen Kindern, ohne oder mit selbst gebautem, bzw. einfachem Spielzeug. „....Kasten huppen, Kreiseln, Springseilhopsen, Hasche.... haben wir gemacht und doch war es schön. Schöner als heute, wo die Kinder sich nur noch mit Handy und ähnlichem beschäftigen können....richtiges spielen ist das gar nicht mehr......“ findet sie. 1940–1948 besuchte sie die Schule. Gerne wäre sie Schneiderin geworden, doch daraus wurde nichts. „Ich bin dann in der Baumwolle gelandet....“ berichtet sie von einer dreijährigen Lehrzeit zur Textilfacharbeiterin und davon froh gewesen zu sein in den Nachkriegsjahren überhaupt eine Lehrstelle erhalten zu haben. „Mit 40 Mark Lehrgeld habe ich angefangen. Alle halben Jahre gab es 5 Mark mehr“ blickt sie zurück. Zeitig lernte sie ihren Mann Heinz (Lokschlosser, verstorben 2012) kennen. Das Paar heiratete 1952. Im gleichen Jahr wurde Sohn Jürgen (Bäcker) geboren. Die Söhne Stefan (Eisenbahner), Bernd (Mechaniker) und Claus (Fleischer) folgten im Abstand von je zwei Jahren. Das Geld war in der Familie knapp, so dass sie zwar wegen der Geburten und Erziehungszeiten zu Hause blieb, jedoch stets nebenher stundenweise arbeiten ging. „Oft musste man warten bis der Mann mit dem ausbezahlten Geld kam (erst wurde jede Wochen, dann aller 14 Tage und danach monatlich bar ausgezahlt) damit wir einkaufen gehen konnten. Und doch haben wir nie Schulden gemacht. Lebensmittelmarken gab es damals auch noch. Es war schon eine schwere Zeit. Ich habe für die Kinder gestrickt. Die ‚Kärtel-Wolle’ für einen Groschen pro Kärtel habe ich immer zurücklegen lassen und abgeholt und bezahlt wenn ich das Geld für 200–300 g zusammen hatte....“ berichtet sie. Und weiter auch von den schlechten Wohnverhältnissen: „Niederstub’ mit Gussrinne und Schwengel zum Wasser schöpfen, angebautem Ziegenstall und Abort auf dem Hof.“ Als die Kinder älter waren arbeitete Inge Albrecht im VEB Gerätewerk Gornau in der Motorenwicklerei bis die Wende und darauf folgenden Strukturänderungen im Betrieb viele Arbeitslose mit sich brachten. Sie gehörte zu den ersten die entlassen wurden. 800 Mark Abfindung waren nicht üppig. Mit 56 Jahren trat sie nun über den Vorruhe- in den Ruhestand. Rückblickend ist sie stolz darauf immer ohne Hilfe zurechtgekommen zu sein und mit ihrem Mann alles gut bewältigt zu haben. Ein paar größere Reisen waren ihnen auch noch vergönnt, bevor sie einen Schlaganfall erlitt und sie ihren Mann verlor. „...Man vergisst manches nie, auch wenn die jungen Leute heute vieles abtun und schlicht dazu sagen, das war damals eben so oder das waren andere Zeiten....“ meint Inge Albrecht nachdenklich. Auf die bevorstehende Ostsee-Reise mit ihrem großen Sohn freut sie sich schon sehr.
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