MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Liane und Ingfried Albrecht
Das Entweder – Oder-Prinzip
Büroangestellte i. R.
Maschinenschlosser und Hebezeugtechniker i. R.
August-Bebel-Str. 3
09328 Lunzenau
Über seinem Leben leuchtet der alte Bibelspruch: „Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich.“ Speziell bei Ingfried Albrecht, geboren am 07.01.1931 in Stein, verdeutlicht er seinen Charakter präzise. Neutralität zu pflegen, erscheint ihm obskur. Für ihn existiert das Entweder – Oder-Prinzip. Er vertritt seine Meinung, wobei er durchaus dadurch besticht, Lebensanschauungen abzuwägen.
In seinem Geburtsort ist Ingfried Albrecht in herrlicher Umgebung praktisch im Wald groß geworden. Als die Zeit reif war, nahm er im Textilwerk Burgstädt eine Lehre zum Maschinenschlosser auf. Nachwehen des Krieges machten sich bemerkbar. Beenden konnte er die Lehre dort nicht. Nach vorübergehender Tätigkeit in der Textilreißerei, gelang es ihm dennoch, seinen Lehrabschluss zu erhalten.
Eine Neuausrichtung führte Ingfried Albrecht zur Wismut in den Gleisbaubereich, bis das Personal neu aufgeteilt werden sollte. Die Angst, unter Tage eingesetzt zu werden, ließ ihn in Panik geraten und er sah nur einen einzigen Ausweg – Türmen. Den Rucksack warf er durchs Fenster, sprang hinterher und weg war er. Entweder – Oder!
Ein kleiner Abstecher führte ihn als Lackierer zur Fa. Hage-Hebebühnen. Er vertrug die Nitrodämpfe nicht und wechselte in die Chemnitzer Maschinenfabrik. Anfänglich Lagerarbeiter, stieg er zum Terminsachbearbeiter, später zum Abteilungsleiter auf und dirigierte 10 Jahre lang sein Ressort. Als diese Abteilung in den Westen ausgelagert wurde, setzte er seinen Weg in der Papierfabrik Lunzenau fort, widmete sich einer weiteren Berufsausbildung zum Techniker für Hebebühnen und Aufzüge und war dort bis zur Wende beschäftigt.
Liane Albrecht wurde am 17.12.1932 in Chemnitz geboren und wuchs in Lunzenau auf. Vater war im Krieg und mit Mutter und Großmutter überstand sie die schwierige Zeit. Mit kindlicher Arglosigkeit empfand sie Kartoffeln stoppeln oder Ähren lesen als Aufgabe für das tägliche Brot zu sorgen. Aufgrund des Lehrstellenmangels begann sie als Bürokraft bei Stern-Radio Rochlitz.
Liane und Ingfried Albrecht heirateten 1951 und ihr erstes Töchterchen Hannelore wurde von der Omi betreut. Nach Geburt von Tochter Margit sowie Sohn Thomas, zog sie sich von 1956–1966 aus dem Berufsleben zurück, begann erneut als Büroangestellte in der Stadtverwaltung Lunzenau und bildete sich in Buchhaltung, Lohnrechnung und Steuerwesen weiter – bei Halbtagstätigkeit kein einfaches Unterfangen. Bis 1991 unterstützte sie die Stadtverwaltung.
Früher standen Wandern und Reisen auf dem Freizeitprogramm. Heute verbringen die Senioren viel Zeit mit ihrer großen Familie und insbesondere das Geschenk fünf Enkelkinder und vier Urenkelkinder macht glücklich – Liane und Ingfried Albrecht haben gleich fünf. Entweder – Oder!