MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Anneliese Allert
„Es genügt nicht zu wissen, man muss auch anwenden, es genügt nicht zu wollen, man muss auch tun.“ (Goethe)
Ansprechpartnerin Selbsthilfegruppe Inkontinenz Halle
An der Marienkirche 4
06108 Halle
Fon: 0345 / 2905155
Internet: www.inkontinenz-shg.de
E-Mail: a.d.allert(at)gmx.de
65 Jahre ist es her, dass Das junge Mädchen Anneliese (geb. 1930) das Abitur ablegte. An dem zu diesem Anlass organisierten Treffen nahmen nur noch 15 der ehemals 72 Schüler teil. So ist das nach so vielen Jahren: Einige der Klassenkameraden leben schon nicht mehr, andere sind nicht mehr in der Lage, beschwerliche Reisen auf sich zu nehmen; die Gesundheit beeinträchtigt das Wollen. Wer das diamantene Abitur erreicht, hat sein Arbeitsleben hinter sich gelassen. So auch Anneliese Allert. Eigentlich wollte sie Lehrerin für Mathematik und Physik werden, doch sie erhielt keine Zulassung. So entschied sie sich, in die Fußstapfen des Vaters zu treten und ebenfalls Wasserwirtschaft und Tiefbau zu studieren. Ein Jahr arbeitete sie übergangsweise in einem Ing.-Büro und in der Produktion, nahm danach in Dresden das Studium auf. Dass sie es nach dem Vordiplom vorzeitig beendete, lag an der Familienplanung. Sie hatte 1946 Ehemann Dietrich (verstorben 2012) kennengelernt, 1952 geheiratet, und das erste der vier Kinder wurde geboren. Im Fernstudium an der Ingenieurschule Magdeburg erlangte sie schließlich dennoch ihren Abschluss als Ingenieur für Wasserwirtschaft, wurde später noch Patentingenieur (weitere drei Jahre Fernstudium). Auch ihre Kinder Wolfgang, Joachim, Ulrike und Bettine haben alle studiert. Und während zwei von Ihnen die Familientradition der Arbeit in der Wasserwirtschaft fortführen, ist eine Tochter im Bankwesen tätig und Sohn Wolfgang als promovierter Germanist auf den beruflichen Spuren des Vaters unterwegs, der als Schriftsteller in der DDR bekannt war. Die Lebensleistung von Anneliese Allert kommt in diesem Werdegang einer vierfachen, berufstätigen Mutter (Arbeit in der Wasserwirtschaftsdirektion Halle bis 1990) und zweifachen Fernstudentin zum Ausdruck, ebenso wie in der geleisteten Erziehungsarbeit, die zu den erfolgreichen Entwicklungen aller vier Kinder führten. Mit Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess suchte sie neue private Herausforderungen. Durch eigene Betroffenheit beschäftigte sie sich Inkontinenz und deren Behandlungsmöglichkeiten. 1999 gründete sie die Selbsthilfegruppe Inkontinenz Halle, engagiert sich bis heute in dieser und wurde 2004 für ihre besonderen Verdienste mit der „Ehrennadel des Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt“ ausgezeichnet. Selbst durch eine TVT-Operation geheilt ist es ihr Anliegen, anderen Betroffenen in monatlich stattfindenden Veranstaltungen Wissen, Hilfe und Hoffnung zu vermitteln mit dem Ziel des Erreichens einer neuen Lebensqualität. Im Heimatbund aktiv und im Kunstverein wirkend, der Goethe-Gesellschaft und dem Förderverein Moritzburg zur Seite stehend und nun auch im Mieterrat tätig, bleibt Anneliese Allert, was sie ein Leben lang war: Aktiv, kontaktfreudig, durchsetzungsfähig, interessiert und tolerant, links orientiert in der Grundhaltung, wenn auch wachsam kritisch.