MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Wolfgang und Elfriede Albert
Goldener Meisterbrief und diamantene Hochzeit
Wellerswalder Weg 11 04758 Oschatz
Wolfgang und Elfriede Albert sind 1925 und 1926 in Sachsen geboren, haben diese Heimat nie verlassen und doch soviel erlebt. Die ersten Schuljahre fielen mit dem beginn der Nazizeit zusammen, die später auch ihr Leben beeinflussen sollte. Acht Klassen lernte man damals, bevor eine Berufsausbildung aufgenommen wurde. Mädchen waren zuvor noch angehalten ein soziales Jahr, das so genannte Pflichtjahr zu absolvieren. Die junge Elfriede verbrachte das in einer Gärtnerei, bevor sie – auf Grund ihrer guten Schulnoten – eine Lehrstelle bei der Volksbank Oschatz antreten konnte.
Wolfgang Albert lernte vier Jahre Elektromaschinenbauer in der Firma seines Vaters, wurde 1943 zur Kriegsmarine eingezogen. Er fuhr auf dem leichten Kreuzer „Leipzig“, überstand die letzten Kriegsjahre und kam mit Beendigung des Krieges in englische Gefangenschaft. Er hatte Glück, wurde bereits nach zwei Monaten daraus entlassen. Über das Ruhrgebiet kehrte er in die Heimat zurück. Wie viele andere, stand er erstmal vor dem Nichts. Er konnte im Handwerksbetrieb seiner Eltern wieder die Arbeit als Geselle aufnehmen und qualifizierte sich auf der Technikerschule in Meißen weiter (1947-1949). Ein Jahr zuvor hatte er seine Elfriede kennen gelernt, die er 1950 heiratete. Ihre gemeinsamen Söhne wurden 1952 und 1957 geboren und nachdem die Familienplanung und -gründung abgeschlossen war, konnten die beruflichen Weichen gestellt werden. Als Ehefrau arbeitete Elfriede Albert indessen auch im Familienunternehmen mit und nachdem beide durch die täglichen Aufgaben zuverlässig das Unternehmen beherrschten, übernahmen sie es 1959 vom Vater in eigene Regie. Wolfgang Albert war Inhaber und Fachkraft, Elfriede Albert für die administrativen Tätigkeiten zuständig. Bis zu zehn Angestellte arbeiteten damals in der Familienfirma, Aufträge kamen aus dem gesamten Nordsächsischem Raum und betrafen die Reparatur von Elektromotoren. Wolfgang Albert qualifizierte sich zum Meister (1953) und zeigt heute stolz seinen Goldenen Meisterbrief. 1976 beugten sich die Familie dem ökonomischen Zwang und den irrigen Vorwürfen als Handwerkerbetrieb Kapitalisten zu sein und schloss sich mit zwei weiteren Firmen zu einer PGH zusammen. Wolfgang Albert fungierte als Vorsitzender, Ehefrau Elfriede arbeitete nach ihrer Invalidisierung verkürzt in der Verwaltung. Die politische Wende in der DDR fiel mit der Wende in ihrer beiden Arbeitsleben zusammen – sie gingen in die Rente. Die Alberts haben die meisten Arbeitsjahre gemeinsam verbracht, waren ein Leben lang für einander da. 2010 feierten sie das Fest der diamantenen Hochzeit und hoffen, auch viele weitere Jahre gemeinsam erleben zu können und sich an ihren vier Enkeln und zwei Urenkeln freuen zu können.